Eine Sublingual-Filmtablette mit Apomorphin verkürzt die Off-Zeiten bei Parkinson-Patienten

  • Lancet Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Parkinson-Patienten, die täglich unter mindestens 2 Stunden Off-Zeiten litten, erlebten nach Einnahme von Sublingual-Filmtabletten mit Apomorphin binnen 12 Wochen eine deutliche Verbesserung der Symptomatik.

Hintergrund

Der zentral wirkende Dopaminagonist Apomorphin hat sich bei Patienten, die an der Parkinson-Krankheit leiden, bei subkutaner Gabe als wirksam für das Management von Off-Episoden erwiesen. Weil diese Art der Applikation jedoch schwierig und mit mehreren Problemen behaftet ist, war die Akzeptanz bislang gering. Die Sponsoren der Studie haben daher eine neuartige Apomorphin-Formulierung entwickelt, die unter der Zunge platziert und durch die Schleimhäute absorbiert wird.

Design

Doppel-blinde, randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie der Phase 3, für die an 33 nordamerikanischen Zentren 109 Parkinson-Patienten rekrutiert wurden. Diese sprachen zwar auf Levodopa an, erlebten aber täglich mindestens 2 Stunden Off-Zeiten, wobei die morgendliche Off-Zeit vorhersagbar war. In einer offenen Titrationsphase wurde die tolerable, vollständige On-Response mit dem Sublingual-Film ermittelt, und die Patienten anschließend randomisiert auf die ermittelte Dosis Verum oder Placebo. Das Medikament (bzw. Placebo) wurde von den Patienten über 12 Wochen eingenommen.  Primärer Endpunkt war die in der Klinik bestimmte Veränderung auf dem Teil 3 (Motorik) der Skala MDS-UPDRS (Movement Disorder Society Unified Parkinsons Disease Rating Scale) binnen 30 Minuten nach Einnahme des Medikamentes.

Ergebnisse

  • Patienten, die den Sublingualfilm mit Apomorphin einnahmen, verbesserten sich beim MDS-UPDRS, Teil 3, mit 11,1 Einheiten (95%-Konfidenzintervall – 14 bis – 8,2) deutlich stärker als diejenigen unter Placebo (-3,5 Einheiten; 95%-KI -6,1 bis – 0,9). Der Unterschied von 7,6 Punkten war bei einem 95%-KI von – 11,5 bis – 3,7 statistisch hochsignifikant (p=0,0002).
  • Hochsignifikant war auch der Unterschied beim zweiten Endpunkt der Studie: dem Anteil der Patienten, die in Woche 12 binnen 30 Minuten nach Einnahme des Medikamentes eine vollständige On-Reaktion erlebten. Dies waren 79 % mit Apomorphin und 31 % unter Placebo (p
  • Während unter Placebo 84 % der Patienten die Studie wie geplant beendeten, waren es unter Apomorphin nur 63 %. Milde bis moderate oropharyngeale Nebenwirkungen waren der häufigste Grund für Unterbrechungen und wurden von 31 % der Patienten unter Apomorphin vermeldet gegenüber 7 % unter Placebo.

Klinische Bedeutung

Die neuartige Applikationsform von Apomorphin als Sublingual-Filmtablette ist wirksam, und die Größenordnung, mit der die Motorik verbessert wurde, scheint auch klinisch relevant. Getestet wurde allerdings nur gegen Placebo und über einen recht kurzen Zeitraum. Studien zur langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit der Anwendung seien jedoch bereits begonnen worden, schreiben die Autoren.

Finanzierung: Cynapsus Therapeutics and Sunovion.