Eine simple Verhaltensintervention kann die typische Gewichtszunahme über Weihnachten verhindern


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Mit einfachen Maßnahmen kann es gelingen, die Zurückhaltung beim Weihnachtsessen zu fördern und eine Gewichtszunahme zu verhindern. Während die Interventionsgruppe im Durchschnitt 130 Gramm Ballast abwarf, nahm die Kontrollgruppe im Mittel 370 Gramm zu, was einem Unterschied von einem ganzen Pfund entspricht.

Hintergrund

Pünktlich zur Weihnachtszeit erreichen viele Menschen ihr Jahreshöchstgewicht. Offenbar sind die Versuchungen in Form feinen und reichlichen Essens allgegenwärtig und hindern uns daran, die guten Vorsätze aus dem letzten Jahr umzusetzen. Aus einem „Nie wieder so eine Völlerei“ wird dann schnell ein „Na gut, einen Teller nehm´ ich noch.“ Ziel der Studie war es deshalb, den Nutzen einer kurzen Intervention zu testen, um das Essverhalten über die Weihnachtsfeiertage zu modifizieren und eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Design

Die Verhaltensintervention sollte die Zurückhaltung beim Essen und Trinken fördern und versuchte dies mit mehreren Strategien:

  • Die Studienteilnehmer wurden aufgefordert, sich regelmäßig zu wiegen, das Ergebnis aufzuzeichnen, und über den Gewichtsverlauf nachzudenken.
  • Es gab schriftliche Informationen über gute Strategien zum Gewichtsmanagement über die Feiertage.
  • In Form von Bildern wurde dargestellt, welche körperlichen Aktivitäten notwendig wären, um die Kalorien der Bestandteile eines typischen Weihnachtsessens zu verbrennen.

Teilgenommen haben 272 Erwachsene mit einem BMI über 20, von denen die Hälfte auf die oben beschriebenen Maßnahmen randomisiert wurde, während die andere Hälfte lediglich ein Flugblatt über gesundes Leben erhielt (Kontrolle).

Hauptergebnisse

  • In der Interventionsgruppe wurde eine Gewichtsabnahme von durchschnittlich 130 Gramm beobachtet, bei einem 95%-Konfidenzintervall von – 400 bis + 150 Gramm.
  • Die Kontrollgruppe nahm im Schnitt um 370 Gramm zu (95%-KI 370 – 620 Gramm).
  • Die adjustierte mittlere Differenz zwischen den beiden Gruppen betrug 490 Gramm zugunsten der Verhaltensintervention. Mit einem 95%-KI von – 850 bis – 130 Gramm war das Ergebnis hochsignifikant (P=0,008).
  • Das Chancenverhältnis, nicht mehr als 500 Gramm zuzunehmen war allerdings mit 1,22 und einem 95%-KI von 0,74 – 2,00 kg nicht signifikant (P=0,44).

Klinische Bedeutung

Glaubt man dem Ergebnis dieser Studie, dann könnte es recht einfach sein, die Feiertage ohne zusätzlichen Ballast auf den Hüften zu überstehen. Die Autoren folgern deshalb, dass ihre Resultate von Gesundheitspolitikern bedacht werden sollten, um eine Gewichtszunahme der Bevölkerung während „Hochrisikozeiten“ wie den Feiertagen zu verhindern. Allerdings waren 78 % der Studienteilnehmer weiblich, und es ließe sich argumentieren, dass dieser Teil der Bevölkerung für Abnehmtipps empfänglicher ist, als das männliche Geschlecht. Unerforscht ist zudem noch, ob der Verzicht aufs Schlemmen möglicherweise die Lebensqualität schmälert – ein Argument, das die Arbeitsgruppe tunlichst vor dem nächsten Weihnachtsfest entkräften sollte.

Finanzierung: University of Birmingham, National Institute for Health Research u.a.