Eine seltsame Nebenwirkung der Tiefen Hirnstimulation

  • Neurology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Neurologen und Neurochirurgen um Dr. Daniel Waldvogel von der Universität Zürich haben neun Patienten identifiziert, die nach Tiefer Hirnstimulation (THS) mit korrektem Sitz der Elektroden im Nucleus subthalamicus nicht mehr schwimmen konnten. Alle neun Personen waren zuvor - auch nach der Diagnose der Parkinson-Krankheit - gute Schwimmer gewesen. Bei allen Patienten hatte die Neurostimulation die Motorik und auch das psychische Befinden verbessert. Über drei dieser Patienten berichten Waldvogel und seine Kollegen im Fachblatt „Neurology“.

Die Patienten 

  1. Ein 69-jähriger Mann, der von der Operation ein guter Schwimmer war, wollte auch nach dem Eingriff wieder in einem naheliegenden See schwimmen. Da sich seine Bewegungssymptome postoperativ gebessert hatten, hatte er keine Zweifel daran, immer noch schwimmen zu können. Aber er konnte nicht. Den Forschern sagte er, dass er ohne die Rettung durch ein Familienmitglied ertrunken wäre.
  2. Auch eine 59-jährige frühere Leistungsschwimmerin konnte nach der THS-Therapie nicht mehr schwimmen. Sogar durch Training hat sie ihr früheres Leistungsniveau nicht mehr erreicht.
  3. Eine 61-jährige Frau, die an Wettbewerben über den zwei Meilen breiten Zürichsee teilgenommen hatte, konnte nach der THS kaum noch 20 Prozent dieser Schwimmstrecke bewältigen.

Drei der neun Parkinson-Patienten stellten ihre THS-Geräte ab und konnten sofort wieder schwimmen. Das Problem: Ihre Motorik, die sich durch die THS verbessert hatte, wurde „erwartungsgemäß“ schlechter. Die Patienten schalteten daher ihre THS-Geräte wieder an.

Schlussfolgerungen

„Schwimmen ist eine hoch koordinierte Bewegung, die eine komplizierte Koordination von Armen und Beinen erfordert", sagt Waldvogel. Es sei bekannt, dass bei der Parkinson-Krankheit die motorische Kontrolle komplexer simultaner Bewegungen beeinträchtigt sei. L-Dopa und THS könnten dies nachweislich verbessern; es habe daher sehr überrascht, dass manche Parkinson-Patienten nach dem invasiven Eingriff nicht mehr hätten schwimmen können. Wie die Hirnstimulation diese motorische Fähigkeit beeinträchtige, sei ebenso wie die Häufigkeit des Phänomens noch unklar. Möglicherweise wirkten L-Dopa und THS unterschiedlich auf den Nucleus subthalamicus, jenem zum Zwischenhirn gehörenden Knotenpunkt, der vor allem für Bewegungsabläufe relevant ist. Klinisch wichtig sei, dass Parkinson-Patienten mit THS auf das Phänomen hingewiesen würden, um lebensgefährliche Situationen zu vermeiden.