Eine sechsjährige Patientin und ein endokrinologischer Zufallsbefund


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Wahrscheinlich stoßen jede Ärztin und jeder Arzt im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit bei einem Patienten ganz zufällig auf irgendeine eine krankhafte Störung, die zuvor nicht aufgefallen ist, weil sie kaum oder gar keine Symptome verursacht hat. Eine solche Erfahrung haben zum Beispiel Kinderärzte mit einer jungen Patientin gemacht, dass wegen chronischer Schmerzen einen niedergelassenen Facharzt aufgesucht hat. 

Die Patientin und ihre Geschichte

Bei der jungen Patientin handelte es sich um ein etwas mehr als sechsjähriges Mädchen mit chronischen Bauchschmerzen. Der aufgesuchte Kinderarzt stellte bei der Abklärung der Beschwerden zufällig eine latente Hypothyreose fest, behandelte das Kind mit L-Thyroxin (50 μg/Tag) und überwies es an die kinderendokrinologische Sprechstunde der Universität Erlangen. Den Klinik-Pädiatern zufolge war die Anamnese des Kindes unauffällig. 

Die Befunde

Erstvorstellung: niedrig normale Körpermaße (Körpergröße: 114,2 cm, Gewicht: 17,5 kg, BMI: 13,4 kg/m 2 ) sowie unauffällige Vitalparameter (RR 108/62 und Puls 84/min), noch keine Pubertät , klinisch Euthyreose, keine tastbare Struma

Die Schilddrüsenautoantikörper (SD-AK) waren unauffällig, der Thyreoglobulin-Wert  war leicht erhöht. 

Sonografisch in loco typico kein Schilddrüsengewebe, allerdings schilddrüsenähnliches Gewebe im Bereich des Zungengrundes.

Therapie und Verlauf

Fortsetzung der Hormon-Therapie; darunter Normalisierung des TSH, die freien Schilddrüsenhormone blieben im Referenzbereich, keine Zunahme des Schilddrüsenvolumens. Als das Kind elf Jahre alt war, wurde eine Schilddrüsenszintigraphie durchgeführt, die den Ultraschallbefund bestätigte .Das Mädchen ist jetzt fast 12 Jahre alt. Größe und Gewicht sind regelgerecht, die kognitive Entwicklung ist unauffällig, das Mädchen besucht das Gymnasium. Die Pubertät habe im Alter von elf Jahren spontan begonnen.

Diskussion

Eine Schilddrüsenektopie ist nach Angaben der Autoren extrem selten. Sowohl Zeitpunkt der Diagnose als auch das klinische Bild seien sehr variabel. Die Diagnose sei bei fehlenden Auffälligkeiten schwierig. Die meisten Patienten mit ektoper Zungengrundschilddrüse entwickeln, wie die Autoren erläutern, im Verlauf,eine Hypothyreose. Werde die Hypothyreose nicht entdeckt und die Patienten nicht behandelt, beeinträchtige dies das Längenwachstum und die Pubertäts- entwicklung der Kinder. So gebe es eine Kasuistik von einer Patientin mit Zungengrundschilddrüse, deren Längenwachstum ab dem 11. Lebensjahr sistiert habe und die bei Diagnosestellung im Alter von 19 Jahren noch präpubertär gewesen sei (Körpergröße 135 cm).