Eine schwere Psoriasis an sich ist bereits ein kardiovaskuläres Risiko

  • Der Kardiologe

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften 

Patienten mit lange bestehender Psoriasis sind kardiovaskuläre Hochrisiko-Patienten. Bei Patienten mit dieser Hauterkrankung sei daher auch eine Betreuung durch Kardiologen notwendig, betonen der Mainzer Kardiologe Dr. Johannes Wild und seine Kolleginnen Dr. Joanna Wegner und Dr. Susanne Karbach.  

Erhöhtes Risiko auch bei unauffälligen Lipid-Werten

Dass Patienten mit chronisch-entzündlich Erkrankungen wie der Psoriasis gefährdet sind, kardiovaskuläre Erkrankungen, etwa eine koronare Herzerkrankung (KHK) zu entwickeln, ist seit einigen Jahren bekannt. Das Besondere sei, dass die Hauterkrankung auch dann mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergehe, wenn die klassischen kardiovaskulären Risikoparameter unauffällig seien, betonen die Autoren. Die schwere Psoriasis an sich könne als ein neuer eigenständiger kardiovaskulärer Risikofaktor bewertet werden. So habe eine Ende 2009 im "European Heart Journal" publizierte Studie ergeben, dass die klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes, Hyperlipidämie, Adipositas und Nikotinabusus bei Patienten mit Psoriasis signifikant vermehrt vorkämen. Dennoch bleibe ein davon unabhängiges um 57 Prozent erhöhtes kardiovaskuläres Mortalitätsrisiko. Bis heute sei „die genaue Pathophysiologie zur Erklärung dieser erschreckend hohen Zahl nicht vollständig verstanden, doch gerade in den letzten Jahren tragen viele Publikationen dazu bei, den Zusammenhang zwischen Haut und Herz besser zu verstehen“, berichten Wild und seine Kolleginnen weiter. 

Eine wesentliche Rolle in der Genese kardiovaskulärer Erkrankungen bei Psoriasis spielen den Autoren zufolge entzündliche Prozesse und Entzündungsparameter. So sein das Zytokin IL-6 mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verbunden. Und auch Interleukin-17A, das bei der Psoriasis-Entstehung zentrale Zytokin, spiele bei der Genese der vaskulären Dysfunktion und Inflammation eine wichtige Rolle. Außerdem korreliere die Entzündung der Aorta bei Psoriasis-Patienten positiv mit dem Vorliegen einer KHK. Dies bedeute, dass eine effiziente antientzündliche Behandlung mit genereller Senkung der Entzündungslast womöglich auch das kardiovaskuläre Risiko reduziere. Dazu beitragen könnten „sicherlich auch z. B. Statine“.  Bei schwelender Hautinflammation gelte es aber, genau diesen Fokus einzudämmen. 

Empfehlungen für Dermatologen, Hausärzte und Kardiologen

Aufgrund des bei Psoriasis erhöhten kardiovaskulären Risikos sollten Dermatologen Patienten „auch nach einer adäquaten Blutdruckeinstellung befragen bzw. deutlich empfehlen, einen möglichen Bluthochdruck abklären und optimal einstellen zu lassen, raten Wild und seine Mitautorinnen. Zudem sollten Dermatologen darüber aufklären, dass die Psoriasis ein kardiovaskulärer Risikofaktor sei und eine kardiovaskuläre Risikoreduktion notwendig.

Allgemeinärzte und Internisten empfehlen die Autoren, bei Psoriasis-Patienten die klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren zu kontrollieren und die Patienten darüber aufzuklären, dass eine dermatologische Behandlung auch für die Reduktion des kardiovaskulären Risikoprofils von zentraler Bedeutung sei.

Behandelnde Kardiologen sollten sich bewusst sein, „dass ein Patient mit einer lange bestehenden schweren Psoriasis ein kardiologischer Hochrisiko-Patient ist“, bei dem wie bei einem Diabetes-Patienten vorzugehen sei. Besonders bei jungen Psoriasis-Patienten sei bei ersten kardiovaskulären Symptomen eine intensive kardiologische Abklärung notwendig.