Eine „Schnapsidee“ und ihre schmerzhaften Folgen

  • Journal of Medical Case Reports

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Wer häufig ein Smartphone nutzt, lebt, wie viele Studien befürchten lassen, nicht ganz ungefährlich: Psyche und Augen sollen leiden, ebenso die HWS- und Schultermuskulatur; ganz besonders in Mitleidenschaften gezogen werden der linke oder rechte Daumen. Äußerst unangenehme Folgen hatte die unsachgemäße Handhabung eines Smartphones für eine 13-jährige junge Dame, die wahrscheinlich im Physik-Unterricht beim Kapitel Elektrizitätslehre sich mehr mit dem Smartphone beschäftigte als mit dem Unterrichtsstoff. 

Die Patientin

Ein 13-jähriges Mädchen wurde mit einer schweren Brandverletzung der rechten Hand in das Verbrennungszentrum des Rot-Kreuz-Krankenhauses in Beverwijk, (Niederlande) überwiesen.  Grund der Verbrennung: Die Patientin hatte beim Baden in der Badewanne nicht auf ihr Smartphone verzichten wollen; dummerweise hatte sie das Handy in ihrer rechten Hand, während dieses mit einem Ladegerät und einer Steckdose verbunden war. Nachdem die Mutter einen lauten Schrei im Badezimmer gehört hatte, trennte sie Smartphone und Steckdose und nahm ihre Tochter aus dem Bad. Nach Angaben der Mutter war die Patientin vorübergehend bewusstlos und hatte Muskelkontraktionen.

Die Befunde

Die körperliche Untersuchung der hämodynamisch und respiratorisch stabilen Patientin ergab zwei Verbrennungs-Verletzungen: eine umschriebene, ovale Läsion von etwa 1 × 1 cm auf der Handfläche zwischen Daumen und Zeigefinger und einen streifenförmigen Hautriss von ca. 1 × 12 cm am Bauch, in der Nähe der Magengegend, umgeben von einer Zone der Hyperämie.

Der Serum-Kreatinin-Kinase-Spiegel (CK) war mit 1294 U/l stark erhöht. Das  EKG war unauffällig. Am Tag nach der Aufnahme war der CK-Wert leicht auf 1400 U/l erhöht. Eine Urin-Untersuchung ergab keine Hinweise auf eine Rhabdomyolyse, dennoch schlossen die Autoren eine leichte Rhabdomyolyse nicht völlig aus.

Die Therapie 

Anfänglich wurden die Verbrennungen konservativ mit Silbersulfadiazincreme behandelt, nach 1 Woche mit Fusidinsäurecreme. Die Hand-Verletzung konnte damit erfolgreich behandelt werden. Die Verbrennung am Bauch war hingegen auch nach drei Wochen nicht vollständig verheilt, so dass ein operativer Eingriff notwendig war (chirurgische Resektion und Transposition der Haut). Dies führte zu einer zufriedenstellenden Heilung mit geringen Narben.

Schlussfolgerungen

Die Risiken elektrischer Geräte im Hausgebrauch werden nach Angaben der Autoren unterschätzt. Obwohl Produkte gründlich getestet und zertifiziert seien, stellten sie bei unsachgemäßer Verwendung eine große Gefahr dar. Dies gelte auch für Smartphones und Ladegeräte. Es seien sogar schon tödliche Smartphone-Verletzungen gemeldet worden.

Die Auswirkungen  eines Stromschlags können zunehmen, wenn die Haut feucht ist oder wenn der Stromschlag in einer feuchten Umgebung stattfindet . Darüber hinaus könne feuchte Haut eine weniger oberflächliche thermische Verletzung erleiden, jedoch mehr Strom in den Körper lassen. Daher steige das Risiko einer Schädigung der inneren Organe.

Die Autoren betonen, „dass viele Verletzungen durch angemessene Aufklärung und Vorsichtsmaßnahmen vermieden werden könnten, die häufig einen vernünftigen Ansatz beinhalten. Es sollten jedoch Präventionsstrategien angewendet werden, um Eltern und Erzieher von Kleinkindern über die sichere Verwendung von tragbaren Haushaltsgeräten und Stromkabeln aufzuklären. Ältere Kinder sollten in der Schule unterrichtet werden. Elektrogeräte oder Kabel sollten niemals in der Nähe von Wasser eingesteckt werden und niemals in Kontakt mit feuchten Umgebungen kommen.