Eine junge Frau Ileus-Verdacht, Herzstillstand und Hyperkaliämie

  • Rechtsmedizin

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Die chronische Obstipation ist eines der häufigsten gastroenterologischen Symptome.  Besteht die chronische Obstipation sehr lange, kann dies schwerwiegende Komplikationen zur Folge haben, wie die Krankengeschichte einer jungen Frau zeigt, die Ärzte der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf schildern.

Die Patienten und ihre Geschichte

Bei der Frau handelte es sich um eine 25-jährige Frau mit Asperger-Syndrom sowie einer Entwicklungsverzögerung, die wegen des Verdachts auf einen Ileus stationär aufgenommen wurde.  

Die Befunde

Schlanke Frau mit deutlich vorgewölbtem und gespanntem Abdomen. Die bildgebende Diagnostik ergab laut Dr. Larissa Lohner und ihren rechtsmedizinischen Kollegen eine chronische Koprostase mit einem großen Kotstein. Zudem wurden  Beinvenen-Thrombosen festgestellt.

Therapie und Verlauf

Abführende Maßnahmen (Macrogol und Klysmen) waren erfolgreich, doch einen Tag später traten eine Tachypnoe und Synkopen auf; wegen des Verdachts auf eine Lungenembolie (Ursprung möglicherweise eine abdominelle Thrombose) führten die Hamburger Ärzte unter Reanimation eine systematische Thrombose durch; die Asystolie der Patientin blieb bestehen, auch eine ausgeprägt Hyperkaliämie besserte sich auch unter Hämofiltration (CVVH) nicht.  Im Einvernehmen mit den Angehörigen seien die Reanimationsmaßnahmen eingestellt worden, erläutern die Rechtsmediziner.

Die Obduktion ergab ein massiv erweitertes Colon sigmoideum mit  eingedicktem, stark verhärtete Stuhl und zwei große, eingedickte Kotballen mit einem Gesamtgewicht von drei Kilogramm.

Eine abdominelle Thrombose, Thrombosen der Bein- oder Beckenvenen oder eine Lungenarterienembolie wurden nicht festgestellt, was sich den Autoren zufolge durch die systemische Lyse erklären ließe.

Diskussionen

Ein Kotstau kann, wie Larissa Lohner und ihre Kollegen erklären, auftreten, wenn sich eine große Menge Stuhl im Darm sammelt und dieser nicht entleert werden kann. Dies passiere bei einer chronischen Obstipation und bei Risiko-Patienten mit einer anatomischen oder einer funktionalen anorektalen Anomalie. Risiko-Patienten seien auch ältere Menschen sowie Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen. Ursachen einer chronischen Obstipation könnten auch Stoffwechselerkrankungen und Medikamente sein. 

Am meisten von einem Kotstau betroffen seien das Sigmoid sowie das Rektum; eine mögliche Folge seien Kotsteine, die zu ernsthaften Komplikationen führen könnten, etwa zu einer Darmperforation oder zu einem mechanischen Ileus. Die Patienten müssten deshalb schnellstmöglich behandelt werden 

Bei der hier vorgestellten Patienten habe die Obduktion die Todesursache nicht sicher klären können, berichten die Rechtsmediziner weiter. Eine mögliche Erklärung, insbesondere für die ausgeprägte Hyperkaliämie, könnte ihren Angaben nach folgender Vorgang sein: Vor den abführenden Maßnahmen seien die Beckenarterien durch den massiven Kotballen komprimiert worden, was zu einer Ischämie in den unteren Ex- tremitäten mit nachfolgender Rhabdomyolyse geführt habe. Nach den Abführmaßnahmen hätten sich die Beckenarterien dekomprimiert, aus der ischämischen Beinmuskulatur sei Kalium freigesetzt worden, wodurch es zu Herzrhythmusstörungen gekommen sei. Es habe sich jedoch die Frage, gestellt, ob die Hyperkaliämie durch eine nach dem Kreislaufstillstand eingetretene Hypoxie entstanden sei oder ob bereits zu Lebzeiten eine Hyperkaliämie bestanden habe. Dies habe nicht geklärt werden können, so die Rechtsmediziner. Letztendlich sei die Frau am ehesten an einer Kombination mehrerer Pathomechanismen gestorben.