Eine holländische Studie quantifiziert das Risiko von Kindern, nach CT-Scans an Krebs zu erkranken


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine populationsbasierte Auswertung in den Niederlanden zeigt ein um 50 % erhöhtes Krebsrisiko unter Kindern, die einen CT-Scan erhalten haben. Ein Zusammenhang mit der Dosis fand sich für ZNS-Tumoren, nicht aber für Leukämien.

Hintergrund

Der Einsatz der Computertomographie zur Diagnose und Verlaufskontrolle hat in der Vergangenheit deutlich zugenommen. Da es sich um eine vergleichsweise strahlenintensive Untersuchungsmethode handelt, und Kinder möglicherweise besonders gefährdet sind, langfristige Nebenwirkungen zu erleiden, hat man hier auf Landesebene das Risiko dieser Population erfasst, nach Exposition an einer Leukämie oder einem Hirntumor zu erkranken.

Design

Retrospektive Kohortenstudie mit 168.394 Kindern unter 18 Jahren, die in holländischen Kliniken zwischen 1979 und 2012 mindestens einen CT-Scan erhielten. Durch den Abgleich mit externen Registern wurden die Krebshäufigkeit, der Gesundheitszustand sowie mögliche verzerrende Faktoren erfasst. Berechnet wurden sowohl standardisierte Inzidenzraten, als auch die relative Risikoerhöhung (ERR) per 100 mGy Organ-Strahlendosis.

Hauptergebnisse

  • In der Studienpopulation wurden insgesamt 262.227 CT-Scans verabreicht. Unter den Kindern erkrankten später 44 an einer Leukämie und 84 an malignen Hirntumoren.
  • Die Inzidenz für sämtliche Krebsarten insgesamt mindestens 5 Jahre nach dem ersten CT war um 47 % höher als erwartet. Datengrundlage waren hier 454 Erkrankungen (Chancenverhältnis SIR 1,47 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,34 – 1,61).
  • Das Chancenverhältniss für maligne ZNS-Tumoren betrug 2,05, für hämatologische Krebsformen 1,39
  • Die mittlere kumulative Strahlendosis auf das Knochenmark betrug zum Ende des Follow-Ups 9,5 mGy. Es gab keine Assoziation zwischen der verabreichten Dosis und dem Leukämierisiko (Fälle von myelodysplastischem Syndrom waren aus der Analyse ausgeschlossen).
  • Die kumulative Strahlendosis auf das Gehirn betrug durchschnittlich 38,5 mGy. Hier fand sich eine statistisch signifikante Assoziation mit bösartigen Hirntumoren mit einer ERR/100mGy von 0,86 (P=0,002)

Klinische Bedeutung

Den Zahlen zufolge gab es auf Populationsebene zwar keinen Zusammenhang zwischen der als Kind empfangenen Strahlendosis aus CT-Untersuchungen und dem Risiko, an einer Leukämie zu erkranken. Für die Bestrahlung des Gehirns gab es aber solch eine Assoziation. Dies müsse, so die Autoren „vorsichtig interpretiert“ werden. Sie erinnern daran, dass CT-Scans für viele Patienten eine potenziell lebensrettende Technik darstellen. Dennoch sei „eine sorgfältige Rechtfertigung pädiatrischer CT-Scans und die Optimierung der Dosis – wie sie in vielen Kliniken praktiziert wird - essentiell, um die Risiken zu minimieren“.

Finanzierung: 7. Forschungsrahmenprogramm der EU und Worldwide Cancer Research (früher bekannt als: Association for International Cancer Research)