Eine frühe und kontinuierliche HIV-Therapie schützt vor einer Vielzahl von AIDS- und Nicht-AIDS-bezogenen Ereignissen


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Medical News
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  • Die Kombination von zwei großen Studien (SMART und START, n = 10.1569 bestätigt die Vorteile einer frühen und kontinuierlichen HIV-Therapie.
  • Die Autoren konnten protektive Effekte bei vielen klinischen Endpunkten zeigen, darunter Gesamt-Mortalität, ernsthafte Nicht-AIDS-bezogene Ereignisse, kardiovaskuläre Ereignisse und Krebs-Inzidenz (AIDS- und Nicht-AIDS-bezogene Tumore) - und zwar über mehrere Subgruppen (Alter, Geschlecht, CD4-Zellzahl sowie Patienten aus Ländern mit hohem wie mit niedrigem Einkommen).
  • Obgleich frühere Studien Vorteile einer frühen und dauerhaften ART (antiretroviralen Therapie) erkannt haben, bieten diese Daten die wichtige Chance, das Ausmaß der individuellen gesundheitlichen Vorteile einer frühen und lebenslangen antiretroviralen Therapie einzuschätzen.

Die Studien SMART (Strategies for Management of Antiretroviral Therapy) und START (Strategic Timing of AntiRetroviral Treatment) waren wichtig, um die Wirkung der ART-Strategien auf das Risiko für AIDS- und Nicht-AIDS-bezogene Ereignisse beurteilen zu können. Aufgrund dieser Studien wurde die kontinuierliche/sofortige ART zum Standard bei HIV-positiven Personen.

Um die Inzidenz von kardiovaskulären Erkrankungen und Tumoren vergleichen zu können, haben die Autoren die gepoolten Daten von zwei Studien analysiert. Verglichen wurden die Studien-Arme mit der verzögerten/intermittierenden ART-Strategie mit den Armen der kontinuierlichen/intermittierenden ART-Strategie. Die Hypothese war, dass die Hazard Ratios (HR) für die Therapien in jeder Studie gleich seien und eine gepoolte Analyse die relativen Unterschiede bei den AIDS- und Nicht-AIDS-bezogenen Ereignissen zwischen den ART-Strategien (verzögert/intermittierend versus kontinuierlich/sofort) besser quantifizieren lasse. Endpunkte waren AIDS, schwere Nicht-AIDS-bezogene Ereignisse (SNA), kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD), Krebs und Tod.

Unter 10.156 Teilnehmern gab es 124 Fälle von AIDS, 274 SNA-, 117 Krebs- und 103 CVD-Fälle. Todesfälle gab es 120. Die Interventionen in jeder Studie führten zu ähnlichen Differenzen bei den CD4-Zellzahlen und der Virus-Suppression. Die gepoolten HRs der verzögerten/intermittierenden ART versus der sofortigen/kontinuierlichen ART betrugen für 

  • AIDS 3,63 (2,37–5,56)
  • SNA 1,62 (1,25–2,09)
  • CVD 1,59 (1,07–2,37)
  • Krebs 1,93 (1,32–2,83) und
  • Tod 1,80 (1,24–2,61).

Die absoluten Risiko-Unterschiede waren in SMART größer als in START. Die gepoolten HRs waren in Subgruppen ähnlich. Therapie-Unterschiede zwischen den Gruppen bei den CD4-Zahlen und der Virus-Suppression glichen sich in SMART und START.

Möglicherweise als Konsequenz waren die relativen Unterschiede beim AIDS- und SNA-Risiko zwischen sofortiger/kontinuierlicher ART und verzögerter/intermittierender ART ähnlich.

Wie die Autoren diskutieren, sind Unterschiede bei den kardioprotektiven Effekten möglicherweise durch individuelle Risiko-Profile der Teilnehmer bedingt, oder eben eine Herausforderung für das Erkennen kardiovaskulärer Ereignisse, insbesondere wenn die Mittel dazu begrenzt sind, was bei einer wichtigen Minderheit in der START-Studie der Fall war.

Die Untersucher fanden eine statistisch signifikante Differenz beim Schutz der ART vor Krebs, mit einem größeren Nutzen in den START- versus den SMART-Therapie-Gruppen (HR 3,10 für  kontinuierliche versus intermittierende ART im Vergleich zu 1,37 für sofortige versus verzögerte ART; p für Interaktion 0,046). Bemerkenswert ist, dass in der START-Studie fast doppelt so viele Tumoren (53 versus 28)  berichtet wurden, wobei einen Hauptbeitrag zu dem Vorteil in START die Prävention von Kaposi Sarkomen und Non-Hodgkin-Lymphomen geleistet hatte. Solche Tumoren traten bei 21 Teilnehmern der Gruppe mit verzögerter ART auf und bei vier Teilnehmern der Gruppe mit sofortiger ART. Besonders bedeutsam war dieses Ergebnis angesichts kürzlich publizierter Daten, nach denen Patienten mit Langzeit-ART ein womöglich dauerhaft hohes Risiko für AIDS- und Nicht-AIDS-bezogene Tumoren haben.