Eine Frau mit einem Magen-Karzinom und einem „dicken“ Daumen

  • BMJ Case Reports

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Adenokarzinome des Magens metastasieren meist in die Leber, ins Peritoneum und in die Lunge, wie die britischen Autoren der Fallgeschichte berichten. Die Krankengeschichte der 75-jährigen Frau unterstreicht, wie wichtig es ist, bei Tumor-Kranken auch dann eine Metastase in die Differentialdiagnose einzubeziehen, wenn der Befund in eine andere Richtung weist.

Die Patientin und ihre Geschichte 

Die 75-jährige Frau hatte ein fortgeschrittenes Adenokarzinom des Magens und war palliativ mit einem Magenbypass behandelt worden. Einen Monat später kam sie mit einer schmerzhaften Schwellung des rechten Daumens in die Klinik (Royal Sussex County Hospital, Brighton) der Autoren. 

Befunde, Therapie und Verlauf

Schwellung des Daumens, Beugung und Streckung im Interphalangealgelenk aktiv und passiv unmöglich.

Aufgrund der Verdachtsdiagnose einer Infektion erhielt die Patientin Antibiotika (intravenös); bei der Notfallinzision und Drainage entleerte sich grünlicher Eiter. Die mikrobiologische Untersuchung war negativ. 

Einen Monat später stellte sich die Frau erneut mit einem geröteten, geschwollenen und schmerzenden rechten Daumen in der Klinik vor. 

Das Röntgenbild zeigte, dass die distale Phalanx völlig fehlte, auf dem Ultraschallbild war Flüssigkeit zu sehen. Bei der nachfolgenden Operation entfernten die Ärzte nekrotische Fett- und Knochenfragmente sowie über eine Drainage erneut Eiter. Mikrobiologische Untersuchungen waren wieder negativ. 

Die histologische Untersuchung der Knochenfragmente lieferte dann eine Erklärung für den schmerzenden und geschwollenen Daumen: Ursache war eine Adenokarzinom-Metastase (mäßig differenziert). Als Therapie wurde der Patientin eine palliative Bestrahlung angeboten.

DISKUSSION

Metastasen in den Handknochen sind den Autoren zufolge sehr selten. In einer Studie von 1984 habe ihr Anteil von allen ossären Metastasen nur etwa 0,1 Prozent betragen. Aufgrund der Fortschritte in der Onkologie und der dadurch verbesserten Lebenserwartung könnten solche Metastasen jedoch häufiger werden. Die klinischen Symptome könnten unter anderen den Symptomen einer Osteomyelitis ähneln. Obgleich Metastasen in den Handknochen selten seien, sollten sie in Erwägung gezogen werden und frühzeitig abgeklärt werden, raten die Autoren um Holly Harris.