Eine Frau mit einem folgenschweren Missgeschick


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften 

Gastrointestinale Symptome sind bei älteren Menschen nicht selten; zu den vielen möglichen Ursachen zählen unter anderen verschluckte Fremdkörper. Bei Erwachsenen kann das auch mal ein Zahnersatz sein, wie die Krankengeschichte zeigt, die iranische Chirurgen im „Journal of Medical Case Reports“ schildern.

Die Patientin und ihre Geschichte

Nach Angaben der Chirurgen wurde eine 47-jährige iranische Frau zwei Tage nach versehentlichem Verschlucken ihrer Zahnprothese mit Bauchschmerzen in das Krankenhaus eingeliefert. Die Patientin klagte zudem über Übelkeit und Erbrechen. Die Symptome hätten etwa zwei Stunden nach dem Verschlucken der Prothese begonnen. 

Die Befunde

Die Röntgenuntersuchung war unauffällig.

Die Abdomen-CT ergab unter anderem ein Hämatom in D1–3, Luft in der Darmwand, ein Pneumoretroperitoneum, einen Schleimhautriss in D1–2 und teilweise D3, zudem Mikroperforationen in D2–3. Aufgrund des Hämatoms bestand eine  duodenale Verengung.

Die Endoskopie des oberen Gastrointestinaltrakts zeigte eine verschluckte Zahnprothese im zweiten bis dritten Teil des Duodenums; der Versuch, die Prothese zu entfernen, schlug fehl. 

Therapie und Verlauf

Laparotomie und duodenale Kocherisierung; die Zahnprothese gelangte in den Magen und konnte nach einer Gastrostomie problemlos entfernt werden. Neun Tage nach der Aufnahme konnte die Patientin das Krankenhaus verlassen.

Diskussion 

Zahnprothesen zählen nach Angaben der Autoren zu den von älteren Menschen am häufigsten verschluckten Fremdkörpern. Mögliche Komplikationen sind zum Beispiel Blutungen, Perforationen und Obstruktionen.  Besonders gefährdet für solche Komplikationen sind Menschen mit zum Beispiel früheren abdominellen Operationen, gastrointestinalen Fehlbildungen, chronisch-entzündlichen Darm-Erkrankungen und Tumoren. Dass sich ein verschluckter Zahnersatz im Duodenum festsetze, sei allerdings eher selten., so die iranischen Chirurgen. 

Wenn eine Fremdkörper-Entfernung erforderlich ist, dann ist die Therapie der Wahl in der Regel die endoskopische Entfernung; sollte diese nicht gelingen, sei so rasch wie möglich zu operieren.

Den Autoren zufolge wird angenommen, dass dieses „Missgeschick“  aufgrund der Alterung der Bevölkerung häufiger wird. Insbesondere bei Demenz-Patienten sollte bei entsprechenden klinischen Hinweisen auch an das Verschlucken einer Zahnprothese gedacht werden.