Eine Frau mit Arzneimittel-Intoxikation und auffälligem Röntgenbefund


  • Fall der Woche
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Kernbotschaft

Einen ungewöhnlichen Magen-Befund haben Schweizer Ärzte bei einer Frau entdeckt, die vermutlich versucht hatte, sich mit Medikamenten das Leben zu nehmen.

Die Patientin und ihre Geschichte

Bei der Patientin handelte es sich um eine 40-jährige Frau mit einer Borderline-Störung und aktiven Suizid-Gedanken, die bewusstlos aufgefunden wurde. Anhand der geöffneten Arzneimittel-Packungen, die Rettungskräfte bei der Patienten fanden, wurde geschätzt, dass die Frau in wahrscheinlich suizidaler Absicht 181 Tabletten eingenommen hatte. Dabei handelte es sich den Schätzungen zufolge um 8,625 Gramm retardiertes Clomipramin, 125 Milligramm Lorazepam und 160 Milligramm Domperidon.

Bei Aufnahme in die Klinik-Notaufnahme wurde sie zunächst intubiert. Die kardiopulmonale Untersuchung ergab keinen pathologischen Befund. Auch der Abdomen-Tastbefund war unauffällig. Thorakale Röntgenaufnahmen zeigten jedoch multiple kaffeebohnengroße undurchsichtige Massen im Magen. 

Die Behandlung

Die Patientin erhielt zunächst Aktivkohle; dann wurden zwei endoskopische Dekontaminationen vorgenommen und ein massiver Pharmacobezoar entdeckt und entfernt. Die Patientin konnte nach zehn Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Schlussfolgerung

Zur Bildung eines Pharmacobezoars können bei der Frau mehrere Faktoren beigetragen haben: etwa die motilitätshemmende Wirkung von Clomipramin; außerdem handelte es sich um die retardierte Form des Medikamentes, die das Zellulose-Derivat Hypromellose enthält; dieses könnte durch Bildung einer klebrigen Schicht im Magen zur Aggregation der eingenommenen Tabletten geführt haben.

Pharmacobezoare sind nach Angaben der Autoren zwar selten. Aber bei massivem Medikamenten-Konsum sollten sie grundsätzlich in Erwägung gezogen werden, insbesondere dann, wenn es sich um Tabletten mit Zellulose-Coating handelt. Klinische Untersuchungsbefunde helfen nicht immer weiter, Röntgenaufnahmen nur dann, wenn es sich um röntgendichte Tabletten handelt. Eine rasche Diagnose und Entfernung seien jedoch erforderlich, um Komplikationen zu verhindern. So könne es infolge einer verzögerten Wirkstoffabgabe aus dem Pharmacobezoar zu einer lebensbedrohlichen Intoxikation kommen.

Finanzierung: keine