Ein Stuhltest könnte häufige Darmerkrankungen anhand des Mikrobioms unterscheiden


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Vergleich von Stuhlproben dreier großer Kohorten mithilfe des „Shotgun metagenomic sequencing“ zeigt charakteristische Unterschiede zwischen den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie dem Reizdarmsyndrom (IBS)

Hintergrund

Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa einerseits sowie das Reizdarmsyndrom (IBS) andererseits sind zwei der häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Man schätzt, dass davon 0,3 – 0,5 % bzw. 7 – 21 % der Weltbevölkerung betroffen sind. Zwar nimmt man an, dass die Gesamtheit der mikrobiellen Darmbewohner (Mikrobiom) bei beiden Krankheitsentitäten eine große Rolle spielen, Erbgutuntersuchungen dieser Organismen liegen bislang aber nur mit niedriger Auflösung vor.

Design

Ziel der Studie war es, bei IBD und IBS mithilfe des „Shotgun metagenomic sequencing“ vollständige hochauflösende genetische Profile der Darmflora zu erstellen. Außerdem sollten aus Stuhlproben die Bakterienarten und -stämme der jeweiligen Patienten bestimmt werden. Schließlich wurden die mikrobiellen Stoffwechselpfade, Antibiotika-Resistenzen und Virulenzfaktoren bei Patienten untersucht und mit der Gesamtbevölkerung verglichen. Insgesamt wurden Stuhlproben aus 3 niederländischen Kohorten von 355 Patienten mit IBD, 412 Patienten mit IBS und 1025 Kontrollen analysiert.

Hauptergebnisse

  • Trotz einer substantiellen Überlappung zwischen den Mikrobiomen der beiden Patientengruppen und der Gesamtbevölkerung ist es den Forschern gelungen, charakteristische Unterschiede auszumachen, die eine Unterscheidung von Patienten mit IBS und IBD ermöglichen.
  • Als statistisch signifikant wurden Assoziationen mit einer „false discovery rate“ FDR
  • Patienten hatten im Vergleich zu Kontrollen eine größere Zahl von 262 untersuchten Virulenzfaktoren, wobei Antibiotikaresistenz-Gene spezifisch beim Morbus Crohn gehäuft waren.

Klinische Bedeutung

„Bevor unsere Ergebnisse in die klinische Praxis überführt werden können, braucht es noch viele weitere Daten, um die Schwachpunkte unserer Studie zu überwinden“, schreiben die Autoren. Insbesondere müsse man bedenken, dass hier Patienten untersucht wurden, die bereits mit IBD oder IBS diagnostiziert waren, während in der Praxis unbehandelte Personen vorstellig würden. Immerhin könnte diese Art Forschung zu neuen Werkzeugen führen, die die Diagnose in der klinischen Praxis unterstützen und damit vielleicht auf lange Sicht viele Darmspiegelungen überflüssig machen. Auch könnten Tests auf charakteristische Bakterienarten die fäkalen Calprotectin-Messungen ergänzen, um zwischen IBS und IBD zu unterscheiden.

Finanzierung: Niederländische Organisation für Wissenschaftliche Forschung (NWO) und viele andere, nicht-kommerzielle Einrichtungen.