Ein Sitzhocker mit Sensoren und LED-Leuchten soll Rückenschmerzen entgegenwirken


  • Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Dynamisches Sitzen kann dazu beitragen, muskulären Verspannungen und Rückenschmerzen vorzubeugen. Ein mit Sensoren und Leuchtdioden ausgestatteter Sitzhocker kann dem möglicherweise entgegenwirken. Denn per Farbsignal oder alternativ über eine App gibt er Feedback, ob man ergonomisch sitzt.

Hintergrund

Viele Menschen verbringen einen Großteil ihres Tages im Sitzen: Beim Essen, bei der Fahrt zum Arbeitsplatz, bei Meetings und im Büro, beim Fernsehen, im Kino. Doch wer sich zu wenig bewegt, erhöht sein Risiko für viele Erkrankungen. Durch das lange Sitzen entstehen muskuläre Verspannungen und Haltungsschäden. Die wiederum lösen Rückenschmerzen aus, ein Großteil der deutschen Bevölkerung leidet darunter. Betroffene sitzen oftmals verkrümmt, dadurch werden die Muskeln noch mehr belastet – ein Teufelskreis. Aber auch Herz-Kreislauf-Probleme, Übergewicht und Bluthochdruck können auf das Konto eines inaktiven Lebensstils gehen. Um den Teufelskreis aus Schmerzen und schlechter Sitzhaltung zu durchbrechen, können aktive und bewusste Bewegungen im Sitzen und im Stehen helfen. Um diese gezielt zu unterstützen, haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und für Silicatforschung ISC einen „Personal Trainer“ für gesundes Sitzen und Bewegen konzipiert. 

Idee und Methode

Ein mit Sensoren und Leuchtdioden ausgestatteter Sitzhocker gibt per Farbsignal oder alternativ über eine App Feedback, ob man ergonomisch sitzt. „Durch viele Interviews mit Betroffenen, Firmen und Experten haben wir herausgefunden, dass ein starker Bedarf nach Hilfsmitteln besteht, die die Rückengesundheit beim Sitzen unterstützen. Wichtig ist, dass man ein wenig Zeit investieren muss“, erläutert Truong Le, Wissenschaftler am Fraunhofer IAO, die Grundidee des LED-Sitzhockers.

In der Standard-Funktion erkennen mehrere Drucksensoren anhand der Gewichtsverteilung in der Sitzfläche die Haltung, also z. B. schiefes oder zu langes Sitzen in derselben Position. Die Auswertung der Daten wird auf einen PC, Laptop, Tablet oder Smartphone übertragen. Dann erfolgt eine Erinnerung über ein Feedback in der Sitzfläche. Auf Wunsch erscheint eine Anzeige am Bildschirm oder auch eine Statistik über einen bestimmten Zeitraum. Ein Video zeigt, dass die Sitzhaltung beziehungsweise die Neigung des Körpers als empfindlich erkannt wird. Gegebenenfalls erfolgt eine konkrete Aufforderung, sich zu bewegen. Per Videoanleitung kann man bestimmte Bewegungsübungen durchführen, die die Sensoren ebenfalls registrieren.

Bei den Drucksensoren handelt es sich um weiche, sensible Sensoren, die sich in unterschiedlichste Umgebungen integrieren lassen, etwa in Matten, Autositze, aber auch in die Fahrzeugdecke oder das Lenkrad. Sie senden elektrische Impulse aus, um Dinge zu steuern. Zu diesem Zweck sind sie wie ein elektrischer Kondensator aufgebaut: Zwei Elektrodenschichten aus leitfähigem Silikon unten und oben, eine isolierende Folienschicht dazwischen.

Auf der MS Wissenschaft präsentieren die Forscher vom Fraunhofer IAO eine spezielle Variante des intelligenten Sitzhockers. Eine bewegungs- und gleichzeitig spaßorientierte Anwendung erfahren spielorientierte Nutzer durch die Funktion des Hockers mit Bewegungsspielen. Von den Sensoren aufgenommene Hüftbewegungen werden hier dazu genutzt, ein Ping-Pong-Spiel am Bildschirm mit dem Gesäß zu steuern.

Klinische Bedeutung

Die Zahl der beruflichen Tätigkeiten, bei denen körperliche Aktivität notwendig ist, wird in den kommenden Jahren vermutlich nicht abnehmen, sondern vielleicht sogar zunehmen. Körperliche Inaktivität und sitzende Tätigkeiten sind vielen Studien zufolge mit einer Vielzahl von gesundheitlichen Störungen und Erkrankungen assoziiert. Mit sportlichen Aktivitäten in der Freizeit kann die erzwungene Inaktivität im beruflichen Alltag nicht oder nicht ausreichend kompensiert werden. Aus diesem Grund ist es begrüßenswert, technisches Wissen nicht allein dafür zu benutzen, dass das Arbeitsleben immer weniger schweißtreibend wird, sondern auch dafür, die krankmachende Immobilisierung auf Bürostühlen oder anderen Sitzgeräten wenigstens zu mildern.