Ein schwaches Herz schadet auch dem Gehirn

  • Circulation Research

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei einer systolischen Herzinsuffizienz wird meist auch das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Bislang war jedoch unklar, wie sich das auf die Hirnstruktur auswirkt. Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) haben nun in Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum Leipzig herausgefunden, dass darunter auch die graue Hirnsubstanz leidet.

Hintergrund

Herz und Hirn stehen in vielfältigen Beziehungen zueinander: Kardio- und zerebrovaskuläre Erkrankungen haben die gleichen Risikofaktoren und pathogenetische Gemeinsamkeiten. Patienten mit zerebraler Ischämie haben ein hohes Herzinfarktrisiko. Umgekehrt haben Patienten mit koronarer Herzkrankheit und Patienten mit Herzinsuffizienz ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Die Leipziger Forscher haben nun untersucht, ob es auch einen Zusammenhang zwischen Herzinsuffizienz und grauer Substanz gibt.

Design

Untersucht haben die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen grauer Substanz und Herzfunktion bei 80 Patienten (Durchschnittsalter 55 Jahre; 22 Frauen) des Herzzentrums Leipzig mithilfe der Magnetresonanztomographie (3-Tesla-MRT) und zwei kardialen Faktoren: der linksventrikulären Auswurfleistung und der Blut-Konzentration des Herzinsuffizienz-Markers NT-proBNP. Zudem gab es eine Kontrollgruppe mit 60 gesunden Probanden (Durchschnittsalter 52 Jahre, 17 Frauen).

Hauptergebnisse 

  • Die Wissenschaftler fanden eine Korrelation zwischen Herzleistung und grauer Substanz im Bereich des frontalen und medialen parietalen Kortex.
  • Eine negative Korrelation stellten sie außerdem zwischen der NT-proBNP-Konzentration und der grauen Substanz im Gyrus cinguli, im Precuneus und im Hippocampus, also in Hirnstrukturen bei Demenz-Erkrankungen wie der Alzheimer-Erkrankung betroffen sind.

Klinische Bedeutung

„Je schwächer das Herz, desto geringer die Dichte der grauen Substanz“, erklärt Matthias Schroeter, Leiter der Forschungsgruppe für Kognitive Neuropsychiatrie am MPI CBS, das zentrale Ergebnis der Studie. Die besonders betroffenen Hirnregionen verarbeiten laut Schroeter „vor allem Aufmerksamkeitsprozesse und Gedächtnisinhalte“. Und nicht nur das: „Ein Abbau von grauer Substanz in diesen Bereichen könnte vielleicht die Entstehung von Demenz begünstigen; dies müsste allerdings noch in Längsschnitt-Studien untersucht werden. Und: Bei einer Herzschwäche müsse auch bedacht werden, dass dabei die Hirnstruktur geschädigt werde; frühere Studien hätten gezeigt, was dem Abbau am besten entgegenwirkt: Sport und soziale Aktivitäten. Natürlich sollte auch die verminderte Herzfunktion behandelt werden.

Finanzierung: LIFE (Leipzig Research Center for Civilization Diseases), EU, Deutsche Forschungsgemeinschaft, BMBF u.a.