Ein saftiges Steak soll Männer sexy machen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Dass viele Männer gerne Schinken, ein saftiges Steak oder Rinderfilet essen, hat etwas mit Statusstreben und offenbar auch etwas mit sexueller Motivation zu tun. Rotes Fleisch belebe unter anderem das Liebesleben der Männer, berichten Dr. Eugene Chan (Monash Business School) und Dr. Natalina Zlatevska (University of Technology Sydney) im „Food Quality and Preference Journal“. Frauen, hingegen bevorzugten, wenn sie für Männer begehrenswertsein wollten, Schönheit und vegetarische Kost, so die beiden Wissenschaftlerinnen.

Hintergrund

Verschiedene Studien haben Unterschiede im Ernährungsverhalten von Männern und Frauen belegt. Ein häufiges Ergebnis ist, dass Männer sich nicht so gesund ernähren wie Frauen. Bekannt ist zudem, dass Männer häufiger zu rotem Fleisch greifen als Frauen. Dieses unterschiedliche Ernährungsverhalten ist medizinisch und damit auch gesundheitspolitisch relevant. „Das männliche Essen und Trinken“ scheine jedoch „in der sozialwissenschaftlichen Ernährungs- und Gesundheitsforschung sowie der Gender- und Männerforschung ein weitgehend vernachlässigtes Thema zu sein“, so 2016 die Autoren eines Übersichtsbeitrages zu der Frage, warum sich Männer so ernähren, wie sie sich ernähren.  Eugene Chan und Natalina Zlatevska beschäftigen sich bereits seit mehreren Jahren mit dem Zusammenhang von Ernährung und Status. Im Rahmen dieser Forschung haben sie die nun publizierten Studien zum Fleisch-Konsum und Sexualität durchgeführt. 

Rindfleisch versus vegane Kost 

Die erste Studie überwachte die Speisenauswahl von 268 Studenten in Australien, nachdem sie Bildern von attraktiven Männern und Frauen ausgesetzt waren - von denen keine nackt oder sexuell provozierend waren. Nach der Betrachtung hatten die Studenten die Wahl, als Belohnung für ihre Teilnahme entweder Rindfleisch oder veganes Dörrfleisch zu essen. Mehr als 86% der Männer wählten das Rindfleisch, aber nur 54% der Teilnehmerinnen. 

Zum romantischen Abend eher Rinder-Burger 

Für die zweite Studie wurden 878 US-Amerikaner in zwei Gruppen eingeteilt. Die Teilnehmer einer Gruppe wurden gebeten, sich vorzustellen, eine sehr begehrte Person des anderen Geschlechts zu treffen, einen romantischen Abend mit ihr zu verbringen und mit ihr eine Beziehung einzugehen. In der Kontrollgruppe stellten sich die Teilnehmer eine lustige Nacht mit einem Freund des gleichen Geschlechts vor. Die Ergebnisse zeigten, dass Männer, die in dem Test sexuell motiviert wurden, eher einen Rindfleisch-Burger wählten als ihre männlichen Kollegen in der Kontrollgruppe.

Konditionelle Vorteile

Mit den gleichen Techniken der Manipulation der sexuellen Motivation erweiterte die Abschlussstudie die Hypothese zum Schweinekonsum mit 489 Teilnehmern aus Großbritannien. Die Ergebnisse zeigten, dass der Verzehr von Rind- und Schweinefleisch die sexuelle Kondition der Männer verbessert, wobei die vegane Option meist abgelehnt wurde.

„Mein Haus, mein Auto, mein Steak“

Dass unsere Ernährung nicht nur von Faktoren wie Geschmack oder Kosten beeinflusst wird, sondern auch etwas mit Sexualität und Fortpflanzung zu tun hat, erklärt Eugene Chan in einer Mitteilung so: „Sexuelles Begehren und Paarungswünsche sind die Grundlage für die Existenz der Menschheit. Daher ist unsere Suche nach einem Partner in der evolutionären Psyche so grundlegend, dass sie auch Nahrungsentscheidungen beeinflussen könnte - solange sie für die Erreichung der Paarungsziele relevant sind.“ Denn in der Geschichte der menschlichen Evolution war Fleisch sowohl selten verfügbar als auch schwer zuzubereiten. Der Fleischkonsum stärkte nicht nur den Konsumenten, sondern vermittelte den Frauen auch Status und den Reichtum der Männer, was bei den Frauen zu einer höheren Paarungswilligkeit führte. „Die Verbindung zwischen Fleisch und Status beruht auf evolutionären Ursachen des Konsums. Höhlenbewohner verzehrten Fleisch, um stark, gesund und kraftvoll genug zu sein, die unwirtliche Umgebung zu überstehen. Königshaus und der Adel konsumierten auch deshalb Fleisch, weil es Reichtum zur Schau stellte", so Zlatevska.

Und die Relevanz für die „Praxis“?  „Wenn“, so Chan, „die Exposition gegenüber sexuellen Reizen die Wahl der Lebensmittel beeinflussen kann, müssen sich politische Entscheidungsträger, Gesundheitsbeamte und Berater für Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln dieses Zusammenhangs bewusst sein, um die Einstellung zu Fleisch und anderen Produkten zu ändern“.

Finanzierung: keine Angaben