Ein Rezept für Frakturen: Alte, schwache Frauchen mit großen, kräftigen Hunden


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Hunde, die plötzlich an der Leine zerren, sind besonders für ältere und schwächere Halterinnen ein ernstzunehmendes Frakturrisiko. In den USA wurde die Zahl solcher Ereignisse zuletzt auf annähernd 4400 / Jahr geschätzt.

Hintergrund und Design

Hundehalter leben länger als die Allgemeinbevölkerung, und wenn sie in Single-Haushalten leben, ist ihr Risiko für Herz-Kreislaufleiden reduziert. Dies ergab eine Studie im Wissenschaftsmagazin Nature, die 2017 veröffentlicht wurde. Dass insbesondere ältere Menschen beim Gassi gehen ein erhöhtes Sturzrisiko haben könnten, wenn ihre Hunde plötzlich an der Leine ziehen, ist eine Vermutung, der der Bachelor Kevin Pirruccio von der Universität von Pennsylvania mit zwei Kollegen nachgegangen ist.

Design

Retrospektive Querschnittsanalyse von öffentlich zugänglichen Daten der US-amerikanischen Consumer Product Safety Commission, die in 100 Notaufnahmen des Landes repräsentativ und statistisch gewichtet Verletzungen nach Produkten und Aktivitäten erfasst.

Hauptergebnisse

  • Die Forscher fanden für den Zeitraum von 2004 bis 2017 mehr als 1000 Textbeiträge zu Frakturen bei Personen ab 65 Jahren, die im Zusammenhang mit Haustierbedarf standen. Davon standen 697 Einträge zu Frakturen nach Stürzen beim Spazierengehen mit angeleinten Hunden im Zusammenhang. Hochgerechnet auf die gesamten USA entspräche dies 32 624 Knochenbrüchen beim Gassigehen.
  • Die Zahl der erfassten Ereignisse nahm beständig zu, von 1671 im Jahr 2004 auf 4396 im Jahr 2017.
  • Mit 78,6 % erlitten Frauen bei weitem die meisten Knochenbrüche.
  • 28,7 % aller Patienten mussten hospitalisiert werden.
  • Die meisten Brüche betrafen die Hüfte (17,3 %), unter den Körperregionen entfielen 52,1 % aller Frakturen auf die oberen Extremitäten.

Klinische Bedeutung

Die Untersuchung liefert keine Daten für Arztbesuche und Klinikaufenthalte außerhalb von Notaufnahmen, auch nicht für weniger schwere Verletzungen ohne Brüche, Operationsbedarf und die Größe bzw. Rasse der Hunde. Jedoch macht die Studie auf ein gleichermaßen ernsthaftes wie unterschätztes Problem aufmerksam, von dem vorwiegend schwächere ältere Frauen betroffen sind. Um den positiven Effekt der durch Hunde vermittelten Bewegung nicht zu gefährden, sollte ihnen möglichst vor der Anschaffung zu einer kleineren Hunderasse und/oder zu einem Gehorsamkeitstraining für den Hund geraten werden.

Finanzierung: Keine Angaben.