Ein preiswertes „Antidepressivum“ und „Anxiolytikum“ für Corona-Geplagte


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Smalltalk
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Die aktuelle Pandemie ist für viele Menschen eine psychische Belastung. Selbst eine nur ein paar Tage dauernde Quarantäne ist, wie bereits berichtet, nicht unbedingt ein Zuckerschlecken. Nicht allein der Rat von Infektiologen ist im Moment daher gefragt, sondern offenbar auch der von Psychiatern, Psychotherapeuten und Psychologen.

Einen kleinen Beitrag zur Linderung kann vielleicht auch jener Autor leisten, der erzählt hat, wie eine kleine Gruppe von Menschen sich während einer schweren Seuche, der Pest, verhalten hat. Die Rede ist nicht von Albert Camus, sondern von Giovanni Boccaccio, der im 14. Jahrhundert in Florenz lebte und dort erlebte, wie die Pest in seiner Heimatstadt wütete, gegen die , wie er in seinem Buch „Das Dekameron“ (das „Zehntagebuch“) schrieb, weder „die Kunst der Ärzte noch die Kraft der Medizin“ etwas habe ausrichten können. 

In diesem Buch berichtet Boccaccio „als Hilfe und Zuflucht der Liebenden“ 100 Geschichten, Fabeln, Parabeln oder wahre Geschehnisse, die sich während der todbringenden Seuche auf einem Landgut ausserhalb der Stadt eine „achtbare Gesellschaft von sieben jungen und edelgeborenen Florentiner Damen und Herren (die alle in die jungen Damen verliebt waren) erzählt hat.

Dieses Verhalten der jungen Menschen war wahrscheinlich die Ausnahme. Manche Menschen, so erzählt der Florentiner Schriftsteller, hätten ihr „Heil“ darin gesucht, maßvoll zu essen und zu trinken und auf jeglichen Überfluss zu verzichten; andere wiederum hätten es vorgezogen, „Parties“ zu feiern, selbstverständlich nicht ohne Alkoholika und üppige Mahlzeiten. Viele Menschen hätten einen Mittelweg eingehalten, weder Enthaltsamkeit geübt noch sich Ausschweifungen hingegeben. Es gibt leider keine verlässlichen Zahlen dazu, welches Verhalten mit der geringsten Infektionsrate  „belohnt“ wurde.

Was erzählten sich die jungen Menschen? Hier eine kleine Auswahl der „Abstracts“ der Erzählungen:

  • „Meister Simon macht auf Bitten Brunos, Buffalmaccos und Nellos dem Calandrino weis, dass er schwanger sei. Dieser händigt den Genannten Kapaune und Geld für eine Medizin aus und wird ohne Entbindung wieder gesund.“
  • „Masetto aus Lamporecchio stellt sich stumm und wird Gärtner in einem Frauenkloster, dessen Nonnen alle um die Wette mit ihm schlafen wollen.“
  • „Der Bäcker Cisti bringt Messer Geri Spina mit einem einzigen Wort dazu, eine  anmaßende Forderung zu bereuen.“
  • „Guido Cavalcanti sagt einigen Florentinern, die ihn überrumpeln, mit feinem Spott die Wahrheit.“

Das Werk wurde übrigens einer der ersten „Bestseller“, dessen Ruhm auch durch die Inquisition nicht geschmälert wurde, die das Buch im 16. Jahrhundert auf den Index setzte. Lesen hilft nunmal nicht allein gegen trübe Gedanken, sondern auch gegen Dummheit.