Ein Mann mit COPD, Hämoptoe und atemabhängigen Brustschmerzen

  • Dr. med. Thomas Kron
  • Patienten-Fall
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Kernbotschaften

Bei einem starken Hustenanfall kommt es zu einem plötzlichen intrathorakalen Druckanstieg. Das kann recht unangenehme Folgen haben, wie die Geschichte eines Patienten zeigt, die Anne Beate Kroczek und ihre Kollegen vom Landesspital Liechtenstein beschrieben haben.

Der Patient und seine Geschichte

Der 53-jährige Patient mit schwerer COPD stellte sich den Autoren zufolge in der Klinik vor, weil er seit einer Woche unter zunehmendem Husten mit Dyspnoe litt. Am Tag zuvor habe er einen sehr heftigen Hustenanfall mit anschließend starken, atemabhängigen rechtsthorakalen Schmerzen gehabt. Zusätzlich bestehe seit einem Tag eine Hämoptoe. Wenige Monate zuvor war, wie die Autoren weiter berichten, bei dem sehr adipösen und ehemaligem starkem Raucher (BMI > 41 kg/m2) eine schwere COPD (GOLD-Stadium 4, Risikogruppe D) diagnostiziert worden.

Die Befunde 

  • 53-jähriger adipöser Mann in reduziertem Allgemeinzustand 
  • Blutdruck 166/100 mmHg, Puls 120/min, periphere Sauerstoffsättigung 84 % (Raumluft), Atemfrequenz 20/min, Körpertemperatur 36,8 °C 
  • Pulmonaler Auskultationsbefund: verlängertes Exspirium mit Giemen sowie Rasselgeräuschen über dem rechten Mittel- und Unterfeld 
  • Labordiagnostik: erhöhte CRP 68 mg/l (< 5) sowie Leukozytose (13,5⋅103/μl) 
  • Blutgasanalyse: respiratorische Partialinsuffizienz, jedoch ohne Zeichen einer Hyperkapnie 
  • Bei der weiteren körperlichen Untersuchung sei ein großes, flächiges Hämatom an der rechten lateralen Thoraxwand aufgefallen, berichten Anne Beate Kroczek und ihre Kollegen weiter. 
  • Palpatorisch habe man hier einen „unklaren, beinahe tennisballgroßen subkutanen Tumor“ tasten können, der eine „innerliche Krepitation“ aufgewiesen habe. 
  • Thorax-Röntgen: fleckige Verschattungen im rechten Unterfeld, vereinbar mit bronchopneumonischen In- filtraten, kein direkter Nachweis eines Pneumothorax, aber „eine unklare Aufhellung entlang der rechten lateralen Thoraxwand mit fraglichem Weichteilemphysem“. 
  • Thorax-CT: laterale Lungenhernie nach Ruptur der Interkostalmuskulatur im 8. ICR, vermutlich infolge des starken Hustenanfalls.

Therapie und Verlauf 

  • Zunächst posterolaterale Thorakotomie mit Reposition der hernierten Lunge und anschließende Stabilisierung des hernierten Interkostalspalts durch Interkostalnähte; zusätzlich Anlage einer Thoraxdrainage.
  • Einige Tage später Revisionsoperation mit Netzalloplastik nach teilweisem Ausriss der Interkostalnähte infolge eines erneuten Hustenanfalls 

Danach habe der Patient bei gutem Verlauf aus dem Krankenhaus entlassen werden können.

Diskussion

Lungenhernien – insbesondere atraumatische – sind nach Angaben der Autoren zwar selten, aber es gebe sie. Sie sollten daher „bei suggestiver Anamnese und Klinik differenzialdiagnostisch mit bedacht werden“. Der größte Risikofaktor einer atraumatischen Lungenhernie sei ein plötzlicher intrathorakaler Druckanstieg, etwa beim heftigen Husten oder Niesen. Ein weiterer begünstigender Faktor sei vor allem das kombinierte Vorliegen von Adipositas und COPD. 

Nach der Diagnose, etwa durch eine CT wie im Fall des 53-jährigen Mannes, sei eine operative Sanierung indiziert. Eine Spontanheilung sei nicht zu erwarten, so Anne Beate Kroczek und ihre Kollegen.