Ein Mann mit Affenpocken, Engegefühl in der Brust und Schmerzen im linken Arm

  • Dr. med. Thomas Kron
  • Patienten-Fall
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Kernbotschaften

Wie andere Viren verursacht möglicherweise auch das Affenpocken-Virus eine Myokarditis. Dies folgern die Kardiologin Dr. Ana Isabel Pinho und ihre Kollegen vom Universitätsklinikum São João in Portugal aus der Krankengeschichte eines Mannes; sie schildern sie im Fachmagazin „JACC: Case Reports“.

Der Patient und seine Geschichte

Der 31-jährige Mann kam fünf Tage nach dem Auftreten von Affenpocken-Symptomen, darunter Unwohlsein, Myalgie, Fieber und mehrere Läsionen im Gesicht, an den Händen und im Genitalbereich, in die Klinik. Eine positive Affenpocken-Infektion wurde durch einen PCR-Abstrich von einer Hautläsion bestätigt. Drei Tage später erschien der Patient erneut in der Notaufnahme und berichtete dort über ein Engegefühl in der Brust, das in den linken Arm ausstrahlte.

Die Befunde

Bei der körperlichen Untersuchung fielen mehrere Hautbläschen und Pusteln auf: im Gesicht, an den Handgelenken, den Oberschenkeln und an den Genitalien; am Penis hatte der Mann zudem eine ulzerierte Läsion, begleitet von einer schmerzhaften Schwellung der Vorhaut und der Eichel; im linken Leistenbereich waren die Lymphknoten geschwollen. Der Patient war afebril und hämodynamisch stabil. 

  • EKG: Sinusrhythmus mit unspezifischen ventrikulären Repolarisationsanomalien
  • Thorax-Röntgenbild: unauffällig
  • Labortests ergaben Hinweise auf einen Myokard-Schaden; so waren mehrere Werte erhöht:
  • C-reaktives Protein (70 mg pro Liter; Normalwert < 3,0), Kreatinphosphokinase (291 U pro Liter; Normalbereich10 bis 172), hochsensitives Troponin I (6000 ng pro Liter, Normalwert < 34) und BNP (Brain Natriuretic Peptide, 55 pg pro Milliliter; Normalwert < 100)

Kardiale Magnetresonanztomographien (CMR) bestätigten die Verdachtsdiagnose einer akuten Myokarditis.

Weitere Befunde und Verlauf

  • Toxikologische Tests im Urin und im Blut waren negativ.
  • Untersuchungen auf Infektionen mit häufigen kardiotropischen Viren waren unauffällig.
  • Die Schilddrüsenfunktion war normal. 
  • Das Screening auf antinukleäre Antikörper und Rheumafaktoren war negativ.

Der Patient konnte nach einer Woche vollständig genesen und mit normalisierten Laborwerten aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Diskussion

Bei Patienten mit klinischem Verdacht auf Myokarditis oder bestätigter Myokarditis könnten die Anamnese und die klinische Präsentation auf eine bestimmte Ätiologie hindeuten; eine definitive Ursache sei jedoch oft schwer zu ermitteln, erklären die Autoren. Häufig werde die Diagnose unter Berücksichtigung der zeitlichen Exposition und des epidemiologischen Kontextes gestellt.

Ihr Patient habe sich mit einer akuten Myokarditis in zeitlichem Zusammenhang mit der aktuellen Affenpocken-Infektion gestellt, einer Infektion durch ein Virus, das eng mit anderen Viren verwandt ist, für die bereits ein direkter oder indirekter Zusammenhang mit kardialen Schäden nachgewiesen sei. Aufgrund der raschen klinischen Genesung des Patienten wurde den Autoren zufolge auf eine Myokardbiopsie verzichtet; das Virus oder ein Immuninfiltrat seien daher im Myokard nicht nachgewiesen worden. Weitere Untersuchungen seien daher erforderlich, um den Mechanismus zu ermitteln, der den Herzschäden im Zusammenhang mit der Virusinfektion der mit den Affenpocken zugrunde liegt.

Dieser Fall mache - insgesamt betrachtet - „deutlich, dass eine Beteiligung des Herzens eine mögliche Komplikation im Zusammenhang mit einer Affenpocken-Infektion sein kann", so Ana Isabel Pinho, die Hauptautorin der Studie.