Ein Mann, etwas Alkohol und ein „traumatisiertes“ Zäpfchen

  • Dr. med. Thomas Kron
  • Patienten-Fall
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Kernbotschaften

Pharyngolaryngeale Beschwerden und Probleme beim Atmen müssen selbstverständlich abgeklärt werden. Eine nicht sehr häufige Ursache dafür hat der britische HNO-Arzt Dr. David R. Strachan geschildert. 

Der Patient und seine Geschichte

Ein 44-jähriger kommt in Großbritannien am Neujahrstag um 5.30 Uhr in die Unfall- und Notaufnahme des Hull Royal Infirmary. Der Grund: Ein Gefühl im hinteren Teil seines Halses verursachte ein leichtes Unbehagen beim Atmen. Das gleiche Problem habe er bereits am Weihnachtstag des Vorjahres gehabt, wobei der gemeinsame Nenner der Alkoholkonsum am Vorabend gewesen sei, berichtet Dr. David R. Strachan im „British Medical Journal“

Befund, Diagnose und Diskussion

Die Untersuchung des Mannes ergab Strachan zufolge, dass das Zäpfchen geschwollen war. Es sei allgemein bekannt, dass Alkoholkonsum Schnarchen auslöse oder verstärke. Denn übermäßiger Alkoholkonsum könne eine Muskelhypotonie verursachen und Arousal-Mechanismen unterdrücken; die Folge sei, dass viele Menschen flach auf dem Rücken und nicht auf der Seite schliefen. Dies verenge die Atemwege und habe eine Obstruktion zur Folge. Wenn ein starker Schubser in den Rücken durch einen verärgerten Bettpartner oder eine verärgerte Bettpartnerin die Situation nicht verbessere, führe die Inspiration durch einen verengten Atemweg zu einer wiederholten Traumatisierung des Gaumenzäpfchens und einer Schwellung.

Das Uvula-Ödem sei zwar selten, jedoch nicht ungefährlich, erklären Anästhesisten vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sehr häufig sei das Uvula-Ödem auch mit anderen klinischen Symptomen wie Urtikaria, einem Angioödem oder einer anaphylaktischen Reaktion vergesellschaftet. Die dadurch hervorgerufenen Schleimhautschwellungen könnten mit einer schweren Dyspnoe einhergehen. 

Beim Uvula-Ödem, auch Uvulitis genannt, handele es sich um ein meist isoliertes, topisches Erscheinungsbild, das sich in einer erythematösen, geschwollenen und verlängerten Uvula manifestiere. Es trete bei Erwachsenen und bei Kindern auf. Die damit assoziierten Symptome seien ein Fremdkörpergefühl und/oder Schluckbeschwerden. 

Häufig bleibe die Ursache eines Uvula-Ödems unbekannt. Dennoch seien bislang einige Faktoren bekannt, die ein Uvula-Ödem triggern bzw. auslösen könnten. Hierzu zählen den Hamburger Autoren zufolge: 

  • Medikamente,  z. B. ACE-Hemmer, nichtsteroidale Antirheumatika und Sartane 
  • Missbräuchliche Einnahme von Cannabis oder Kokain und  
  • chirurgisch oder anästhesiologisch herbeigeführte Traumata, etwa durch eine Laryngoskopie oder das Legen einer Magensonde.

Auch häufiges Schnarchen kann zu einer Entzündung und Schwellung des Zäpfchens führen. Ursache einer Schwellung der Uvula könnten auch Tumoren sein, etwa Lymphome, wie 2021 dänische HNO-Ärzte in der Zeitschrift „Frontiers in Surgery“ berichtet haben.