Ein Kleinkind, eine Dusche und ein enges Abflussrohr

  • Dr. med. Thomas Kron
  • Patienten-Fall
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Kernbotschaft

Bei einem Einklemmtrauma ist insbesondere dann, wenn Sensibilität und Durchblutung nicht beurteilbar sind, eine rasche Befreiung notwendig, um Folgeschäden zu verhindern. Dies betonen Chirurgen um Dr. Jason-Alexander Hörauf von der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Anlass ist die Krankengeschichte eines 1,5 Jahre alten Mädchens. 

Die Patientin und ihre Geschichte

Wie die Chirurgen berichten, wurde das Kind in Begleitung der Mutter mit dem Rettungsdienst in der Zentralen Notaufnahme der Frankfurter Universitätsklinik vorgestellt. Der Grund: Das Mädchen  sei beim Duschen mit der rechten Hand im Abflussgitter der Dusche stecken geblieben. Alle manuellen Befreiungsmanöver, auch unter Zuhilfenahme von Schmiermitteln, seien erfolglos gewesen. Vor Ort habe die Feuerwehr das Abflussrohr aus der Verkleidung befreien müssen. Danach sei das Kind in das Klinikum gefahren worden.

Die Befunde

  • Bei Vorstellung in der Notaufnahme waches und ruhiges Kind, das sich  altersentsprechend verhält 
  • Keine adäquate Untersuchung der vollständig im Rohr fixierten rechten Hand möglich

Therapie und Verlauf

  • Unter Narkose Entfernung des anliegenden Rohrs mittels Dremel und Zangen sowie schrittweises Freilegen der Hand 
  • nach 1,5 Stunden vollständig befreite, deutlich geschwollene Zeige-, Mittel- und Ringfinger, aber intakte Motorik der Finger und radiologisch keine knöchernen Schäden
  • am Folgetag Entlassung des Kindes nach Hause (reizlose Wundverhältnisse, intakte periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität).

Diskussion und Empfehlung

Das beschriebene Szenario sei eine absolute Ausnahmesituation für alle beteiligten Personen gewesen, erklären die Frankfurter Chirurgen. Insbesondere bei Kleinkindern, die sich nicht adäquat zu Symptomen wie etwa Parästhesien äußern könnten, müsse rasch gehandelt werden, um irreversible Schäden abzuwenden. Dies erfordere die enge Zusammenarbeit von Rettungsdienst, Feuerwehr und Klinik-Fachpersonal.

Ein noch ungewöhnlicheres Einklemmtrauma erlitt vor wenigen Jahren ein Mann in Rheinhessen: Er hatte seinen Penis im Loch einer Hantelscheibe eingeklemmt, wie mehrere Medien berichteten, nachdem Bilder dieses „Unfalls“ im Internet aufgetaucht waren. Medizinisch versorgt wurde der Mann im Wormser Stadtkrankenhaus. Allerdings mussten die behandelnden Ärzte die Feuerwehr um Hilfe rufen, um das sensible Körperteil von der Hantel und den Mann von der „Peinlichkeit“ zu befreien. Dazu soll ein dreistündiger Einsatz mit Schleifer, Vibrationssäge und hydraulischem Rettungsgerät notwendig gewesen sein.