Ein junger Mann, eine kalte „Limo“ und plötzlicher Bewusstseinsverlust

  • Journal of Medical Case Reports

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Ein junger Mann erleidet erstmals eine Synkope. Der Mann ist gesund und körperlich fit. Die wahrscheinlich Ursache der Synkope ergibt sich schon aus der Anamnese; eine spezifische Therapie ist nicht erforderlich.

Der Patient und seine Geschichte

Bei dem Patienten handelte es sich um einen 32-jährigen Mann, der wegen eines passageren Bewusstseinsverlustes ein Krankenhaus aufsuchte. Die Synkope sei, wie Dr. Ognjen Arandjelović ( University of SCt Andrews, Großbritannien) im „Journal of Medical Case Reports“ berichtet, w ährend des Besuches eines  Wildparks an einem sonnigen und heißen Tag (ca. 37 ° C im Schatten) Tag aufgetreten, als der Patient in einem Café ein kaltes kohlensäurehaltiges Getränk konsumiert habe. Nach dem ersten Schluck habe er plötzlich leicht brennende Brustschmerzen verspürt, dann sei ihm „schummrig“ vor Augen geworden. Innerhalb weniger Sekunden habe er das Bewusstsein verloren, es jedoch rasch wiedererlangt. Der Patient habe angegeben, regelmäßig Sport zu treiben und keine Drogen oder Medikamente zu nehmen. Einen solchen passageren Bewusstseinsverlust habe er zwar noch nie erlitten, so der Patient außerdem; aber schon früher habe er hin und wieder beim Trinken kalter Getränke ähnliche thorakale Empfindungen gehabt. 

Die Befunde

Etwa 30 Minuten nach dem Ereignis konnten folgende Befunde erhoben:

  • Muskulöser junge Mann
  • Körperfett: 8%
  • Körpergewicht: 102 kg 
  • Körpergröße 188 cm 
  • Body Mass Index (BMI) von 28,9
  • Blutdruck 128/77 mmHg und Ruheherzfrequenz 74
  • Computertomographie von Gehirn und Thorax unauffällig, ebenso die Schilddrüse-Funktion.
  • EKG-Befunde beschreibt der Autor nicht.

Diagnose und weiterer Verlauf

Ausgehend von der Anamnese und den Befunden wurde die Diagnose einer vasovagalen Synkope, ausgelöst durch das Schlucken eines kalten Getränkes mit Reizung des Ösophagus, gestellt. In einer fünfjährigen Beobachtungszeit verspürte der junge Mann dem Autor zufolge immer wieder mal bei Trinken kalter Getränke ähnliche Symptome (Schmerzen, verschwommenes Sehen, Benommenheit), aber nie mehr eine Synkope.

Diskussion

Schluck-induzierte Synkopen gelten als selten; es liegen auch nur sehr wenige Berichte in der medizinischen Literatur über solche Ereignisse vor.  Das Besondere an der aktuellen Krankheitsgeschichte ist nach Angaben des Autors, dass es sich um einen jungen gesunden Mann gehandelt hat. Schluck-induzierte Synkopen träten in der Regel bei älteren Menschen mit zugrundeliegenden Erkrankungen auf. 

Schluck-induzierte Synkopen seien selten und würden oft erst nach Jahren und multiplen vorausgegangenen Synkopen diagnostiziert, schrieben vor wenigen Jahren auch Ärzte vom Westpfalzklinikum (Kaiserslautern) in einem Zeitschriften-Betrag  . In Abhängigkeit vom „Auslöser“ werden laut der S1-Leitlinie „Synkopen“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie folgende vasovagale Synkopen unterschieden:

  • neurokardiogene Synkopen (nach längerem Stehen)
  • emotional induzierte Synkope (vor allem durch Blut-/Verletzungsassoziationen)
  • Karotissinussynkope (durch Massage auf dem Karotissinus)
  • sonstige situative Synkopen (z. B. Schlucksynkope, Miktionssynkope)
  • Synkopen ohne erkennbare Trigger.

Bei erstmaliger Synkope oder seltenen Synkopen mit Prodromi sei wegen der günstigen Prognose und der geringen Rezidivhäufigkeit eine spezifische Therapie nicht erforderlich. Aufklärung über das Verhalten in Auslösesituationen, ausreichende Trinkmengen und Kochsalzzufuhr sowie tägliches Stehtraining sind der Leitlinie zufolge die wichtigsten Maßnahmen zur Rezidivprophylaxe.