Ein hoher Anteil Jugendlicher sendet und empfängt intime Nachrichten via Handy und Internet


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Durchschnittlich jeder 7. Jugendliche hat bereits Nachrichten, Bilder oder Videos mit expliziten sexuellen Inhalten verschickt („Sexting“). Mehr als ein Viertel hat bereits solch eine Botschaft erhalten. Häufig werden sie ohne Zustimmung der Betroffenen weitergeleitet.

Hintergrund

Unter Sexting versteht man das Senden, Empfangen oder Weiterleiten sexuell expliziter Texte, Bilder und Videos mittels elektronischer Hilfsmittel. Insbesondere Jugendliche scheinen ihre Handys für die vor wenigen Jahren noch weitgehend unbekannten Praxis zu nutzen. Die Bandbreite der publizierten Sexting-Raten reicht allerdings von 1,3 – 60 %, und ist somit kaum aussagekräftig.

Design

Metaanalyse von 39 Studien (darunter 8 unveröffentlichte) mit 110.380 Teilnehmern unter 18 Jahren. 22 der Studien zum Sexting-Verhalten Jugendlicher stammten aus den USA, 4 wurden in mehreren europäischen Ländern gleichzeitig durchgeführt, und 8 in einzelnen europäischen Ländern (5 x Belgien, 2 x Tschechien, 1 x Niederlande). Das Durchschnittsalter betrug 15,16 Jahre, 52,8 % der Befragten waren weiblich.

Hauptergebnisse

  • 14,8 % der Jugendlichen unter 18 Jahren haben bereits „gesext“
  • 27,4 % haben schon mindestens eine Sexting-Nachricht erhalten
  • 12 % haben Sexting-Nachrichten ohne die Zustimmung der Betroffenen weitergeleitet
  • 8,4 % gaben an, eigenen Sexting-Nachrichten wären ohne Zustimmung weitergeleitet worden.
  • Die Prävalenz des Sexting nahm linear mit dem Alter zu und war in den neueren Studien höher als in früheren Untersuchungen.

Klinische Bedeutung

Die aktuelle Untersuchung liefert einen wichtigen Beitrag, um das Phänomen des Sexting zu quantifizieren.  Aber sind Jugendliche, die Nacktbilder von sich und anderen verschicken, ein Problem? Handelt es sich beim „Sexting“ um zeitgemäßes pubertäres Verhalten, oder ist es eine Verhaltensauffälligkeit, die womöglich sogar eine psychiatrische oder psychologische Therapie erfordert? Die Autoren lassen diese Fragen unbeantwortet. Ihr Rat lautet, man solle „Anstrengungen und Ressourcen statt zur Kriminalisierung des Sextings lieber in Erziehungsprogramme für digitales Bürgertum und gesunde Beziehungen stecken“.

Finanzierung: Alberta Children’s Hospital Foundation and the Canada Research Chairs Program.