Ein Hoffnungsschimmer bei COVID-19: Dexamethason

  • Universität Oxford

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Dexamethason reduziert möglicherweise die Mortalität von schwerkranken COVID-19-Patienten. Das lassen vorläufige Ergebnisse einer großen britischen Studie (RECOVERY) hoffen, die jedoch noch nicht in einem Fachmagazin erschienen sind. Bislang liegt nur eine Pressemitteilung der Studienleiter vor. 

Hintergrund

Dexamethason gehörte zu den Wirkstoffen, die seit wenigen Monaten in klinischen Studien bei Patienten mit COVID-19 erprobt werden. Eine dieser Studie ist die RECOVERY-Studie  (Randomised Evaluation of COVID-19 Therapy) unter der Leitung von Ärzten der Universität Oxford. 

Design 

An der mehrarmigen Studie nehmen nach Angaben der Autoren mehr als 11500 Patienten aus über 175 Krankenhäusern in Großbritannien teil. Geprüft werden mehrere Wirkstoffe, darunter auch Dexamethason. Am achten Juni wurde der Dexamethason-Arm gestoppt, da nach Einschätzung des Lenkungsausschusses der Studie genügend Daten vorlagen, um den Nutzen des Entzündungshemmers einschätzen zu können. Insgesamt erhielten bis dahin 2104 Patienten täglich sechs Milligramm Dexamethason (oral oder intravenös). Die Therapiedauer betrug zehn Tage. Zur Kontroll-Gruppe gehörten 4321 Patienten, die die übliche COVID-19-Therapie erhielten. Primärer Endpunkt war die 28-Tage-Mortalität.

Hauptergebnisse

  • Die 28-Tage-Mortalität betrug in der Kontroll-Gruppe bei den COVID-19-Patienten, die beatmet werden mussten, 41 Prozent, und bei den Patienten, die nur Sauerstoff erhielten, 25 Prozent. Am geringsten war die Sterberate mit 13 Prozent bei den Patienten der Kontroll-Gruppe, die weder beatmet werden mussten noch Extra- Sauerstoff erhielten.
  • Dexamethason reduzierte der Mitteilung zufolge die Sterberate bei den beatmeten Patienten um 35 Prozent (p=0,0003) und bei den Patienten mit Sauerstoff-Applikation um 20 Prozent (p = 0,0021). 
  • Kein Nutzen wurde bei den Dexamethason-Patienten beobachtet, die keine respiratorische Unterstützung benötigten. 

Klinische Bedeutung

Die vorläufigen Daten der Studie sehen sehr positiv aus. Eine solide Bewertung wird allerdings erst möglich sein, wenn alle Daten der Studie vorliegen und in einem Fachmagazin mit Peer Review veröffentlicht sind. Aufgrund der großen weltweiten Relevanz der Daten haben die Studienleiter sie vor einer Begutachtung durch andere Wissenschaftler und Publikation in einem Fachblatt allerdings schon jetzt bekannt gemacht. In Großbritannien wird der preiswerte Entzündungshemmer aufgrund der Studienresultate ab sofort zur Behandlung von COVID-19-Patienten verwendet und laut dem britischen Gesundheitsminister Matt Hancock auf die Liste der Standardtherapien des NHS (Nationaler Gesundheitsdienst) gegen COVID-19 gesetzt werden.

Finanziert wird die Studie von der Universität Oxford, die unter anderen mit der Stiftung von Bill und Melinda Gate und dem National Institute für Health Research in Großbritannien zusammenarbeitet.