Ein gestörter Kynurenin-Stoffwechsel und Bauchfett: eine Entzündungs-Quelle bei HIV


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Medical News
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Kernbotschaften

  • Bei HIV-Infizierten ist eine Zunahme des abdominellen Fettgewebes mit einer Aktivierung von proinflammatorischen Mechanismen des Kynurenin-Stoffwechsels (höheres Verhältnis von Kynurenin zu Tryptophan und von Chinolin- zu Kynureninsäure) assoziiert.
  • Dies geht einher mit einer Reduktion proinflammatorischer Substanzen (Kynureninsäure-Konzentration) und einer Zunahme der systemischen Entzündung (höhere Konzentrationen von hoch-sensitivem C-reaktivem Protein [hs-CRP) und von Neopterin).
Eine Studie mit 864 HIV-Infizierten und 75 Nicht-Infizierten (≥40, Teilnehmer der Copenhagen Comorbidity in HIV infection study) legt den Schluss nahe, dass ein gestörter Kynurenin-Stoffwechsel, der mit einer Akkumulation von Bauchfett einhergeht, eine Entzündungs-Quelle bei HIV ist. 
 
Kynurenin entsteht durch Katalyse mit der Indolamin-2,3-Dioxygenase 1(IDO-1) aus Tryptophan. Es wird dann entweder durch die Kynurenin-Aminotransferase weiter verstoffwechselt zu Kynureninsäure (antiinflammatorische Eigenschaften) in Fettgewebszellen oder zu Chinolinsäure (oxidativer Stress und Entzündungsreaktionen) via Kynurenin-Monooxygenase von infiltrierenden pro-inflammatorischen Makrophagen.

In dieser Studie waren das Verhältnis von Kynurenin zu Tryptophan (ein Maß für die IDO-1-Aktivität) und die Kyneurin-Konzentration bei HIV-Infizierten höher als bei Nicht-Infizierten (25,5 vs 22,2; p

Eine adjustierte Analyse ergab, dass ein Anstieg des Verhältnisses von Hüfte zu Taille (waist-to-hip ratio) um eine halbe Einheit assoziiert war mit einem um 19 Prozent höheren Kynurenin—Tryptophan-Ratio (p=0,009), einem um 33 Prozent höheren Verhältnis von Chinolin- zu Kynureninsäure (p=0,006) und einer um 18 Prozent geringeren Konzentration der Kynureninsäure.

Außerdem waren das Verhältnis von Chinolin- zu Kynureninsäure und die Chinolinsäure-Konzentration mit höheren hs-CRP- und Neopterin-Werten (Marker für die Makrophagen-Aktivierung) verbunden (p in beiden Fällen

Für die Prävention von systemischen Entzündungen und kardiometabolischen Komplikationen bei HIV-Infizierten sind interventionelle Studien zur Akkumulation und Verteilung von Fettgewebe bei diesen Patienten notwendig.

Limitierungen: Ein Kausalzusammenhang konnte nicht belegt werden, da es sich um eine Querschnittstudie handelte.