Ein eher ungewöhnlicher Suizid-Versuch einer Herz-Patientin

  • JACC: Case Reports

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Bei herzkranken Patienten, die einen Herzschrittmacher oder Defibrillator erhalten sollen, ist es ratsam, vor der Implantation - und auch danach - auf psychische Störungen bzw. Erkrankungen zu achten. Warum das sinnvoll ist, beantwortet folgende Krankengeschichte, die kanadische Kardiologen Im Fachmagazin „ JACC: Case Reports“   schildern.

Die Patientin und ihre Geschichte

Eine 61-jährige Frau mit subklinischer Depression kommt ins Krankenhaus, nachdem sie sich am Abend davor in suizidaler Absicht selbst (nach einem Hautschnitt) die Elektrodenkabel ihres Zweikammer-Herzschrittmachers durchtrennt hat. Der Schrittmacher war ihr vier Jahre zuvor nach AVRT-Ablation (atrioventrikuläre Tachykardie), kompliziert durch einen vollständigen Herzblock, implantiert worden. In der irrigen Annahme, nach dem Durchtrennen der Schrittmacherkabel sicher zu sterben, schlief die Frau ein. Am Morgen nach dem erfolglosen Suizid-Versuch stellte sie sich im Krankenhaus vor. 

Die Befunde

  • Herzfrequenz 43 Schläge/min, Blutdruck 112/89 mmHg, kein Fieber, Atmung unauffällig
  • EKG: vollständiger Herzblock 
  • Medikation: zweimal täglich 50 mg Flecainid oral; Digoxin, 0,125 mg oral, täglich; Clonidin, 0,2 mg oral, dreimal täglich; Clonazepam, 2 mg oral 3-mal täglich; Levothyroxin, 37,5 mg oral täglich; Cetirizin, 10 mg oral täglich; und Pantoprazol, 40 mg oral zweimal täglich.
  • Das Blutbild bei der Aufnahme war normal, Toxikologie-Screening war ebenfalls unauffällig (Digoxin, Salicylat, Paracetamol)

Therapie und Verlauf

Nach interdisziplinärer Versorgung durch,Herzchirurgen, Kardiologen und Psychiatern erhielt die Patientin einen neuen Schrittmacher und wurde zur weiteren ambulanten Versorgung (kardiologische und psychiatrische) aus dem Krankenhaus entlassen.

Diskussion

Nach Angaben der Autoren handelt es sich bei der geschilderten Krankengeschichte um den ersten bekannten Fall eines versuchten Suizids durch Durchtrennen der Herzschrittmacherdrähte. Ähnliche Fälle habe es allerdings schon gegeben; so hätten andere Patienten zum Beispiel den Schrittmacher entfernt. Der aktuelle Fall zeigt nach Angaben der Autoren, wie wichtig es ist, eine psychische Erkrankung wie Depressionen bei Patienten zu erkennen (und zu behandeln), denen ein Herzschrittmacher implantiert werden soll. Darauf zu achten sei Aufgabe der Klinikärzte, die implantieren wollen, und auch der ambulant behandelnden Internisten und Hausärzte.