Ein depressiver Mann und ein wenig bekömmlicher „Kräutertee“

  • Nervenarzt

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Ayahuasca ist ein Pflanzensud, der in Südamerika im Rahmen von religiösen Zeremonien als Tee etwa konsumiert wird und aufgrund seiner psychedelischen Effekte auch bei manchen Touristen beliebt geworden ist. Da Ayahuasca antidepressiv und anxiolytisch wirkt, hat es das Interesse von Wissenschaftlern geweckt. Wie grundsätzlich bei psychotropen Substanzen ist auch bei Ayahuasca allerdings Vorsicht geboten. Dies gilt offenbar vor allem für psychisch kranke Menschen. Dies zeigt die Krankheitsgeschichte eines jungen Mannes, die die Psychiater und Toxikologen Nicolas Zellner, Tobias Zellner und Jan Warninghoff vom kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost und der TU-München schildern. 

Der Patient und seine Geschichte

Der 25-jährige Patient wurde zur psychiatrischen Notaufnahme gebracht, da er auf der Straße unbekleidet Kung-Fu-artige Bewegungen praktiziert habe. Im Aufnahmegespräch habe der Mann Symptome einer Psychose gezeigt. Eigenen Angaben zufolge litt er an einer bipolaren affektiven Störung mit mehrfachen depressiven Phasen und kurzen hypomanischen Phasen.  Bekannt gewesen seien zwei psychotische Episoden (2017) nach LSD- und nach THC-Konsum sowie eine manische Phase 2018. Olanzapin und Valproat habe er vor vier Monaten abgesetzt und seine Depression hin und wieder mit Cannabis behandelt. Ayahuasca habe er erstmalig vor drei Monaten und zum zweiten Mal zwei Tage vor der aktuellen Aufnahme konsumiert. Der Patient, sein Bruder und seine Mutter gaben den Autoren zufolge an, dass die psychotischen Symptome erst direkt nach Einnahme von Ayahuasca aufgetreten seien. Im Urin wurde Cannabis (140 ng/ml)  nachgewiesen.

Diagnose und Therapie

Die Autoren diagnostizierten eine durch Ayahuasca ausgelöste psychotische Episode. Behandelt wurde der Patient mit Benperidol, Olanzapin und Lorazepam, wodurch die Symptome nachgelassen hätten. Zwei Wochen nach der Aufnahme entließen die Psychiater den Patienten mit Olanzapin zur weiteren antipsychotische Therapie.

Erläuterungen

Nach Angaben der Autoren wird der psychedelische Effekt von Ayahuasca hauptsächlich durch N,N-Dimethyltryptamin (DMT), einem nichtselektiven Serotoninagonisten, sowie durch β-Carboline, die die MAO-A hemmen, ausgelöst. Beschriebene unerwünschte Wirkungen seien Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö sowie Tachykardie und Bluthochdruck. Die Datenlage zu unerwünschten psychiatrischen Wirkungen sei jedoch noch unzureichend. Ihres Wissens nach stelle der Fall des jungen Mannes einen von wenigen beschriebenen Fällen einer psychotischen Episode nach Ayahuasca-Konsum dar. Gut wirksam bei Ayahuasca-induzierten Psychosen seien vermutlich atypische Antipsychotika.