Ein altes Gicht-Mittel – eine Option auch für Infarkt-Patienten?

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Colchicin kann womöglich Patienten, die gerade eine Myokardinfarkt erlitten haben, vor weiteren Ischämie-bedingten kardiovaskulären Komplikationen schützen. 

Hintergrund


Durch mehrere Untersuchungen ist belegt, dass entzündliche Prozesse an der Pathogenese der Atherosklerose beteiligt sind. Gestützt wird dieses Pathogenese-Konzept unter anderem durch Daten der klinischen Studie CANTOS  (Canakinumab Antiinflammatory Thrombosis Outcomes Study); so ergab eine Auswertung dieser vom Unternehmen Novartis finanzierten Studie, dass Patienten mit akutem Koronarsyndrom (AKS), deren Wert für das hochsensitive CRP (hsCRP) nach einmaliger Therapie mit Canakinumab stark fiel, klinisch besser abschnitten als AKS-Patienten ohne starke Reduktion des hsCRP-Wertes. Als stark reduziert galt ein hsCRP-Wert unter zwei mg/l. Alle Teilnehmer der CANTOS-Studie hatten zu Beginn Werte über zwei mg/l („The Lancet“). Eine Studie mit dem unspezifischen niedrig dosierten Entzündungshemmer Methotrexat (CIRT: Cardiovascular Inflammation Reduction Trial) kam jedoch zu einem anderen Resultat („New England Journal of Medicine“). Eine Option könnte vielleicht auch das entzündungshemmende Alkaloid Colchicin sein, das unter anderem in der Gicht-Therapie eingesetzt wird.

Design

Randomisierte Doppelblindstudie mit Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach einem Myokardinfarkt rekrutiert wurden. Die Patienten erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder niedrig dosiertes Colchicin (0,5 mg einmal täglich) oder Placebo. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war eine Kombination aus kardiovaskulär bedingten Todesfällen, Herzstillstand mit erfolgreicher Reanimation, Myokardinfarkt, Schlaganfall oder Krankenhausaufenthalt wegen Angina pectoris und Revaskularisierung. Insgesamt wurden 4745 Patienten eingeschlossen. 2366 Patienten wurden der Colchicin-Gruppe zugeordnet, 2379 der Placebo-Gruppe. Die Patienten wurden über einen Median von 22,6 Monaten beobachtet.

Hauptergebnisse

1. Der primäre Endpunkt trat bei 5,5% der Patienten in der Colchicin-Gruppe auf und bei 7,1% der Patienten in der Placebo-Gruppe (Hazard Ratio, 0,77; 95% -Konfidenzintervall [CI], 0,61 bis 0,96; p = 0,02). 

2. Hier die Ergebnisse bei den Einzelparametern:

kardiovaskuläre Todesfälle: HR 0,84 (95% CI, 0,46 bis 1,52)
Myokardinfarkt: HR 0,91 (95% CI, 0,68 bis 1,21) 
Schlaganfall. HR 0,26 (95% CI, 0,10 bis 0,70) 
Hospitalisierung wegen Angina und Revaskularisierung: HR 0,50 (95% CI, 0,31 bis 0,81) 

3. Durchfall trat bei 9,7% der Patienten mit Colchicin auf, in der Placebo-Gruppe betrug der Anteil 8,9% (p = 0,35); eine schwere Komplikation waren Pneumonien, die in der Colchicin-Gruppe bei 0,9% der Patienten auftraten und in der Placebo-Gruppe bei 0,4% (p=0,03).

Klinische Bedeutung

Nach Angaben der Autoren waren die Effekte von Colchicin auf kardiovaskuläre Endpunkte in dieser Studie mindestens so groß wie die von Canakinumab in CANTOS. Im Gegensatz zu Canakinumab sei Colchicin allerdings nicht mit einer erhöhten Inzidenz eines septischen Schocks einhergegangen. Eingeschränkt werde die Studie durch die relativ kurze Beobachtungsdauer von ca. 23 Monaten. Die Risiken und Vorteile einer längerfristigen Behandlung mit Colchicin seien daher nicht geklärt. Die Autoren betonen zudem, dass ihre „Ergebnisse nur für Patienten gelten, die kürzlich einen Myokardinfarkt hatten“. Eine routinemäßige Anwendung von Colchicin zur Sekundärprävention nach Herzinfarkt werde durch die Ergebnisse nicht gestützt, heißt es auch in einem begleitenden Kommentar; dazu sei der Nutzen beim primären kombinierten Endpunkt, der stark auf dem weichen Parameter Klinikeinweisungen basiere, zu gering. 

Finanzierung: Der kanadische Staat und andere