EHA 2019 – Zum Umgang mit Toxizitäten von neuen Wirkstoffen in der Onkohämatologie


  • Elena Riboldi — Agenzia Zoe
  • Univadis
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Erkenntnis

  • Unerwünschte Ereignisse (UE) im Zusammenhang mit Immun- und gezielten Therapieansätzen unterscheiden sich von den klassischen chemotherapiebedingten Toxizitäten und es kann schwierig sein, sie zu erkennen.
  • Onkologen sollten Patienten und behandelnde Ärzte über mögliche Toxizitäten informieren und mit Fachärzten besprechen, wie mit Komorbiditäten und Begleitmedikamenten umzugehen ist.

 

Warum das wichtig ist

  • Der Einsatz von Immuntherapien und gezielten Therapieansätzen nimmt zu.

 

Die wichtigsten Punkte aus dem Symposium

 

Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI)

  • Immunbedingte unerwünschte Ereignisse (ibUE) können praktisch jedes Gewebe oder Organ betreffen.
  • Verschiedene Wirkstoffe haben unterschiedliche Toxizitätsprofile (PD-1-Inhibitoren: Pneumonitis, Myalgie, Arthralgie, Hypothyreose; CTLA-Inhibitoren: Kolitis, Hypophysitis).
  • Patienten, Angehörige und Betreuer sollten über potenzielle Symptome von ibUE informiert werden.
  • Alle neuen unklaren Symptome sollten rechtzeitig abgeklärt werden.
  • Eine volle Abklärung ist auch bei asymptomatischen Veränderungen von Laborwerten notwendig.
  • Eine rasche Behandlung zur Unterbindung akuter Entzündungsphasen und zur Erhaltung wird empfohlen (0,5–2 mg Prednisolon pro Kilogramm Körpergewicht).
  • Die immunsuppressive Strategie muss an das betroffene Gewebe und das vorherrschende Immuninfiltrat angepasst werden.
  • UE mit Schweregrad 1: Fortsetzung von ICI (enge Überwachung); Schweregrad 2–3: Aussetzen; Schweregrad 4: Abbruch.

 

Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitoren (BTK-Inhibitoren)

  • UE umfassen Kardiotoxizität, Blutungen, Infektionen, Arthralgie und Hautausschläge.
  • Infektionsprophylaxe: dieselben Leitlinien wie bei Chemotherapien, jedoch mit Überwachung auf Infektionen durch opportunistische Erreger.
  • Die Inzidenz von Kammer- und Vorhofarrhythmien (Vorhofflimmern [VHF]: bis zu 16 %) und Hypertonie ist bei Patienten unter Ibrutinib erhöht.
  • Der erste Schritt zur Handhabung des VHF ist eine Risikoabschätzung.
  • Im Fall eines mit Ibrutinib assoziierten VHF ist zwingend ein Kardiologe hinzuzuziehen.
  • Wenn das VHF ausreichend kontrolliert wird, ist Ibrutinib auszusetzen.
  • Mit Ausnahme von Therapien mit Gerinnungs- und Thrombozytenaggregationshemmern ist das Blutungsrisiko gering.
  • Wenn eine Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern benötigt wird, ist das Blutungsrisiko höher, wenn ein Wirkstoff eingesetzt wird (z. B. Ibrutinib mit niedrig dosiertem Aspirin), aber unannehmbar, wenn zwei Wirkstoffe eingesetzt werden (Ibrutinib absetzen).
  • Wenn Gerinnungshemmer benötigt werden, ist das Blutungsrisiko höher und wird durch Arzneimittelwechselwirkungen noch weiter gesteigert.
  • Bei der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung mit Ibrutinib sollte eine Beurteilung des kardiovaskulären Risikos sowie eine umfassende Analyse der Begleitmedikamente (CYP3A4/5-Induktion bzw. -Inhibition) vorgenommen werden.

 

Expertenkommentar

  • „Onkologen sind sich dieser Problematik gut bewusst, aber wichtiger ist, dass auch Hausärzte und Patienten darüber informiert werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir diese Patienten nicht ständig sehen, da sie nicht im Krankenhaus sind und es sich hier um Arzneimittel zum Einnehmen handelt. Wir müssen daher das Bewusstsein unter den behandelnden Ärzten schärfen.“
  • „Für Ibrutinib am wichtigsten ist die kardiovaskuläre Toxizität. Ich persönlich verordne immer zuerst ein Holter-EKG und eine Echographie, bevor ich mit einer Behandlung beginne. Das bedeutet nicht, dass ich Ibrutinib nicht verabreiche, sondern, dass ich über die möglichen Toxizitäten Bescheid weiß und mit den Kardiologen besprochen habe, wie das Medikament anzuwenden ist und ob ich den Patienten präventiv behandeln sollte oder nicht. So gehe ich auf Nummer sicher.“ Dr. med. Florence Cymbalista, Hôpital Avicenne und Professorin an der Université Paris 13 (Frankreich).