EHA 2019 – Expertenkommentar – Gentherapie und Zelltherapie: Die Gegenwart ist vielversprechend, die Zukunft möglicherweise glänzend


  • Elena Riboldi — Agenzia Zoe
  • Univadis
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Franco Locatelli ist Ordentlicher Professor für Pädiatrie an der Universität Pavia und Leiter der Abteilung für pädiatrische Hämatologie und Onkologie am IRCCS Ospedale Bambino Gesù in Rom (Italien). Er hat maßgebliche Beiträge auf dem Fachgebiet der hämatologischen Kinderkrankheiten geleistet. Seine derzeitigen Forschungsbemühungen konzentrieren sich auf CAR-T-Zellen und Gentherapie gegen Thalassämie.

 

  • Mehrere Präsentationen am EHA-Kongress drehen sich um Gen- und Zelltherapie zur Behandlung von Erbkrankheiten und Krebserkrankungen.
  • Was Erbkrankheiten angeht, gibt es hauptsächlich zwei Situationen, in denen die Daten besonders vielversprechend sind: Die eine ist Gentherapie gegen β-Thalassämie und die andere ist Gentherapie gegen die Sichelzellkrankheit.
  • Zur CAR-T-Zell-Therapie gab es sowohl Updates zu von Unternehmen angeregten Studien als auch einige Daten von akademischen Einrichtungen, die bestätigen, dass die Behandlung mit gegen CD19 gerichteten CAR-T-Zellen der zweiten Generation bei akuter lymphatischer Leukämie der B-Zell-Vorläuferlinie von Nutzen ist.
  • Ergebnisse von Erwachsenen mit einem aggressiven B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom, insbesondere dem großzelligen B-Zell-Lymphom und dem follikulären Lymphom, beweisen, dass diese Patienten mit dem CAR-T-Zell-Ansatz erfolgreich behandelt werden können.
  • Die wissenschaftlichen Studien beweisen, dass akademische Einrichtungen die Möglichkeit bieten können, Patienten außerhalb von Studien unter der Anregung und Leitung von marktwirtschaftlichen Unternehmen zu behandeln; dies ist eine Gelegenheit, mit der sich die Anzahl der behandelbaren Patienten vergrößern lässt.
  • Es gibt zudem sehr spannende Daten zu Patienten mit einem multiplen Myelom: In Zukunft können wir davon ausgehen, dass auch andere bösartige hämatologische Erkrankungen wie chronische lymphatische Leukämie oder möglicherweise auch CD30-positive Lymphome mit CAR-T-Zellen erfolgreich behandelt werden könnten.
  • Mit großer Begeisterung wird auch eine Umwandlung des CAR-T-Zell-Ansatzes für solide Tumoren betrachtet.
  • In unserem Krankenhaus führen wir eine Studie an Kindern mit einem Neuroblastom durch: Trotz der Tatsache, dass wir rezidivierende/refraktäre und stark fortgeschrittene Erkrankungen behandelten, erhielten wir vielversprechende Ergebnisse im Hinblick auf das Ansprechen, was darauf hinweist, dass der Einsatz dieser Therapie in einer früheren Phase der Erkrankung noch bessere Ergebnisse mit sich bringen wird.
  • Diese Arzneimittel für neuartige Therapien müssen eng kontrolliert, überwacht und mit einer vorläufigen Zulassung durch die Aufsichtsbehörden versehen werden, bevor sie am Menschen eingesetzt werden können.
  • Momentan können wir diese Therapien den Patienten bei einer Neudiagnose noch nicht anbieten, und daher ist die sorgfältige Auswahl von Patienten ein wesentlicher Punkt.
  • Die Kosten dieser Therapien sind auch ein Thema, das unbedingt angesprochen werden muss, insbesondere in Ländern mit einem staatlichen Krankenversicherungssystem.
  • Wir beschäftigen uns mit Studien zu CAR-NK-Zellen (natürliche Killerzellen), weil diese Strategie im Vergleich zu CAR-T-Zellen mehrere Vorteile mit sich bringen könnte.
  • Erstens ist die durch NK-Zellen bedingte Toxizität möglicherweise geringer als jene von CAR-T-Zellen, weil die Zytokinbildung der NK-Zellen ein weniger toxisches, günstigeres Profil aufweist.
  • Zweitens sind diese Zellen möglicherweise sofort verfügbar, wenn wir herausfinden, wie Banken mit CAR-NK-Zellen anzulegen sind.
  • Damit könnten gleich zwei Probleme überwunden werden: die Dauer zur Aufbereitung von CAR-T-Zellen sowie die Hürde aufgrund der Tatsache, dass ein Teil der Patienten keinen Nutzen aus CAR-T-Zellen ziehen kann, weil es unmöglich ist, das Produkt herzustellen.
  • Einige Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien haben nämlich entweder nicht genügend T-Zellen oder nur sehr schlecht funktionierende T-Zellen, was die Erzeugung eines guten CAR-T-Zell-Produkts verhindert.
  • Als Letztes ist zu sagen, dass die zytotoxische Wirkung von NK-Zellen höher ist als jene von T-Zellen – mit anderen Worten: NK-Zellen sind die potentesten zytotoxischen Lymphozyten in unserem Körper.