EHA 2019 – Acalabrutinib ergibt bemerkenswerten Nutzen bei rezidivierender oder refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie


  • Elena Riboldi — Agenzia Zoe
  • Univadis
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Erkenntnis

  • Bei einer Monotherapie mit Acalabrutinib verbesserte sich das progressionsfreie Überleben (PFS) von Patienten mit rezidivierender/refraktärer (R/R) chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) im Vergleich zu Idelalisib plus Rituximab (IdR) oder Bendamustin plus Rituximab (BR) signifikant, wobei das Risiko einer Progression der Erkrankung oder des Eintretens des Todes nach 16,1 Monaten um 69 % zurückging.
  •  Acalabrutinib wies ein besser verträgliches Sicherheitsprofil auf als herkömmliche Kombinationstherapien.

 

Warum das wichtig ist

  • Es besteht ein Bedarf an wirksamen, aber auch gut verträglichen Wirkstoffen zur Behandlung von CLL.
  • Mit Acalabrutinib wurde bereits zuvor in vitro eine geringere Kinasehemmung außerhalb des Zielbereichs als mit Ibrutinib nachgewiesen, und seine Aktivität in CLL-Patienten war beachtlich.
  • Eine Monotherapie mit Acalabrutinib könnte eine wirksame und gut verträgliche Behandlungsoption für R/R CLL darstellen.

 

Studiendesign

  • In die Studie ASCEND der Phase III wurden 301 Patienten mit R/R CLL aufgenommen.
  • Die Patienten wurden randomisiert (1 : 1) und erhielten entweder Acalabrutinib oder IdR bzw. BR nach Wahl des Prüfarztes.
  • Ein Wechsel aus dem IdR/BR-Arm war nach bestätigter Progression der Erkrankung erlaubt.
  • Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS) gemäß der Beurteilung durch einen unabhängigen Prüfungsausschuss.
  • Eine Zwischenanalyse war nach Eintreten von ungefähr 79 Ereignissen (2/3 des Zielwerts für Primärereignisse) geplant.

 

Wesentliche Ergebnisse

  • Nach einer medianen Nachbeobachtungsdauer von 16,1 Monaten (Bereich: 0,5–22,1) ergab sich mit Acalabrutinib ein signifikant längeres PFS als mit IdR/BR (Median nicht erreicht im Vergleich zu einem Median von 16,5 Monaten; HR: 0,31 [95 %-KI: 0,20–0,49]; p 
  • Der Nutzen von Acalabrutinib in Bezug auf das PFS war in allen Untergruppen einheitlich.
  • Zu einem Abbruch aufgrund von unerwünschten Ereignissen (UE) kam es bei 11 % der Patienten unter Acalabrutinib, bei 49 % der Patienten unter IdR und bei 17 % unter BR.
  • UE mit einem Schweregrad von ≥ 3 mit Acalabrutinib waren Neutropenie (16 %), Anämie (12 %) und Pneumonie (5 %); mit IdR waren es Neutropenie (40 %) und Diarrhö (24 %); mit BR waren es Neutropenie (31 %), Anämie (9 %) und Obstipation (6 %).
  • Ereignisse von klinischem Interesse waren Vorhofflimmern (5,2 % mit Acalabrutinib gegenüber 3,3 % mit IdR/BR), Blutungen (26 % gegenüber 7,2 %), Infektionen mit einem Schweregrad von ≥ 3 (15 % gegenüber 24 %) und ein zweiter Primärtumor (ohne Fälle von weißem Hautkrebs; 6,5 % gegenüber 2,6 %).

 

Expertenkommentar

„Es gibt keine klaren Hinweise darauf, dass die Toxizität mit Acalabrutinib weniger bedeutsam wäre. Vergleicht man sie mit dem, was aus einer Studie mit Ibrutinib nach 16 Monaten hervorging, ist sie praktisch gleich. Leichte Nebenwirkungen wie blaue Flecken sind möglicherweise etwas weniger häufig, aber ich glaube, das ist so ziemlich das Einzige, was wir bisher dazu sagen können. Wir warten im Prinzip auf den Direktvergleich, der aber erst in einem oder eineinhalb Jahren herauskommen wird.“ Dr. med. Florence Cymbalista, Hôpital Avicenne und Professorin an der Université Paris 13 (Frankreich).