Effektive Schlaganfall-Prävention mit Herpes-zoster-Impfstoff


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Zoster-Prävention mit dem Lebendimpfstoff (Zostavax®,) könnte einer Studie zufolge auch das Risiko eines späteren Schlaganfalls bei älteren Menschen verringern. Die Ergebnisse der Studie, die diesen Zusammenhang erstmals untersucht hat, ist auf der International Stroke Conference (ISC) 2020 in Los Angeles in den USA vorgestellt worden.

Die Impfung gegen Gürtelrose war in dieser großen Medicare-Kohortenstudie mit einer 20%igen Senkung des Schlaganfallrisikos bei Personen unter 80 Jahren assoziiert. Ältere Teilnehmer hatten ein um 10% reduziertes Risiko. Die Reduktion galt sowohl für ischämische als auch hämorrhagische Insulte.

„Unsere Ergebnisse könnten Menschen im Alter von 50 Jahren oder älter dazu ermutigen, sich gegen Gürtelrose impfen zu lassen und das Gürtelrose-assoziierte Schlaganfallrisiko zu senken“, sagte Dr. Quanhe Yang, leitende Studienautorin und Wissenschaftlerin an den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta. Yang schätzt, dass eine von 3 Personen, die an Windpocken erkrankt sind, irgendwann in ihrem Leben an Gürtelrose erkranken wird. Außerdem wird die Gürtelrose mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko in Verbindung gebracht.

   Älterer Lebendimpfstoff wurde evaluiert

Yang und ihre Kollegen haben den zum Zeitpunkt der Studie einzig verfügbaren Gürtelrose-Lebendimpfstoff Zostavax® evaluiert. Die CDC bezeichnen nun jedoch einen adjuvanten Totimpfstoff (Shingrix®) als bevorzugten Gürtelrose-Impfstoff für gesunde Erwachsene im Alter von 50 Jahren und älter. Dieser Impfstoff erhielt 2017 die Zulassung. Der ältere Lebendimpfstoff kann nach Angaben der CDC jedoch immer noch bei gesunden Erwachsenen über 60 Jahren verwendet werden.

Eine Verringerung der Entzündung durch den Lebendimpfstoff könnte der Mechanismus sein, durch den auch das Schlaganfallrisiko reduziert werde, sagte Yang. Der neuere Impfstoff, der laut CDC zu mehr als 90% wirksam ist, könnte jedoch einen noch größeren Schutz gegen Schlaganfall bieten. Dazu sei aber noch mehr Forschung erforderlich, fügte sie hinzu.

Interessanterweise deuten frühere Untersuchungen darauf hin, dass es zu spät sein kann, wenn eine Person bereits Gürtelrose hat. So konnten Yang und ihre Kollegen zeigen, dass – wenn die Impfung oder antivirale Behandlung nach einer Gürtelrose-Episode erfolgte – sie nicht mehr mit einem signifikant niedrigeren Schlaganfallrisiko assoziiert war.

Daten von rund 1,4 Millionen Versicherten ausgewertet

Um die Schutzwirkung des Impfstoffs gegen Schlaganfall zu bewerten, überprüften die CDC-Wissenschaftler die Gesundheitsdaten von 1,38 Millionen Medicare-Empfängern. Alle Teilnehmer waren 66 Jahre oder älter, wiesen keine Vorgeschichte eines Schlaganfalls auf und hatten zwischen 2008 und 2016 den Lebendimpfstoff erhalten.

Die Forscher verglichen die Schlaganfallrate in der geimpften Gruppe mit der Rate in einer gematchten, gleich großen Kontrollgruppe von Medicare-Empfängern, die die Impfung nicht erhalten hatten. Sie korrigierten ihre Analyse hinsichtlich Alter, Geschlecht, Rasse, Medikamenteneinnahme und Komorbiditäten.  

Schlaganfallrisiko um 16% reduziert

Die mit der Impfung verbundene Gesamtreduktion des Schlaganfallrisikos um 16% setzte sich aus einer 12%igen Abnahme des Risikos für einen hämorrhagischen Schlaganfall und eine 18%ige Abnahme des Risikos für einen ischämischen Schlaganfall zusammen – dies über eine mittlere Nachbeobachtungszeit von 3,9 Jahren.

Die adjustierten Hazard Ratios – jeweils Geimpfte versus Kontrollgruppe – betrugen 0,84 (95%-Konfidenzintervall: 0,83–0,85) für alle Schlaganfälle, 0,82 (95%-KI: 0,81–0,83) für den ischämischen Schlaganfall und 0,88 (95% KI: 0,84–0,91) für den hämorrhagischen Schlaganfall.

In der Gruppe der Geimpften traten im Beobachtungszeitraum 42.267 Ereignisse auf, darunter 33.510 akute ischämische Schlaganfälle und 4.318 hämorrhagische Schlaganfälle. Im selben Zeitraum wurden in der Kontrollgruppe 48.139 Schlaganfälle verzeichnet, darunter 39.334 ischämische und 4.713 hämorrhagische.

Weil der Impf-Ausschuss der CDC (Advisory Committee on Immunization Practices, ACIP) erst seit 2017 den Tot-Impfstoff für gesunde Erwachsene ab 50 Jahren empfahl, gab es bei Medicare zum Zeitpunkt der aktuellen Studie nicht genügend Daten, um den Zusammenhang zwischen diesem Impfstoff und dem Schlaganfallrisiko zu untersuchen. „Allerdings sind zwei Dosen Shingrix® zur Prävention von Gürtelrose und postherpetischer Neuralgie zu mehr als 90% wirksam und bieten damit einen besseren Schutz als Zostavax®“, sagte Yang.

 

 

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com (Link: https://www.medscape.com/viewarticle/925331) übersetzt und adaptiert. Für Univadis wurde der deutsche Beitrag (Link: https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4908669) leicht gekürzt und modifiziert.