Effekt von Videospielen auf’s Körpergewicht nur gering

  • Social Science and Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Zusammenhang zwischen intensivem Videospielen und hohem BMI ist nur schwach. Außerdem schwankt er in Abhängigkeit vom Alter der Spieler. Eine relevante Rolle spielt dabei körperliche Aktivität bzw. Bewegungsmangel.

Hintergrund

Übergewicht und Adipositas sind seit Jahren beklagte Probleme bei Erwachsenen und auch schon bei Kindern und Jugendlichen. Oft wird angenommen oder postuliert, dass häufiges Videospielen und Fernsehen Übergewicht fördern. Als zugrunde liegender Mechanismus gilt die Kombination von Bewegungsmangel und Konsum von fettigen Chips, Süßigkeiten, stark gezuckerten Getränken und Alkoholika. Die wissenschaftliche Studienlage dazu sei allerdings nicht eindeutig genug, argumentieren die Autoren der aktuellen Metaanalyse.

Design

Metaanalyse von 20 Studien mit mehr als 38.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Fast alle Studien (17) stammen aus Europa und den USA. Berücksichtigt wurden nur nicht-aktive Videospiele – also solche, die man im Sitzen spielen kann. Aktive Videospiele, zum Beispiel Wii-Sports oder Pokémon Go, bei denen Bewegung erforderlich ist, wurden nach Angaben der Autoren bewusst nicht berücksichtigt. Weitere relevante Faktoren, etwa eine ungesunde Ernährung vor der Spielekonsole oder Schlafmangel, konnten aufgrund zu weniger Studien nicht überprüft werden.

Hauptergebnisse

Die Berechnungen ergaben eine positive Korrelation zwischen Videospielen und BMI:  Der BMI war umso größer, je mehr Zeit mit Videospielen verbracht wurde. Der Zusammenhang war allerdings recht schwach; lediglich ein Prozent der individuellen Körpermasse kann den Autoren zufolge durch die Zeit mit Videospielen erklärt werden. Darüber hinaus war der positive Zusammenhang nur bei Erwachsenen statistisch signifikant, nicht jedoch bei Kindern und Jugendlichen.

Klinische Bedeutung

„Wir haben einen signifikanten indirekten Effekt gefunden, der zeigt, dass Menschen, die mehr Zeit mit Videospielen verbringen, auch weniger Zeit mit Sport verbringen und daher ein höheres Körpergewicht bzw. mehr Körpermasse haben“, so das Autorenteam aus Würzburg und Linz. Ein signifikanter positiver Zusammenhang konnte nur bei Erwachsenen nachgewiesen werden, bei Kindern und Jugendlichen jedoch nicht. Dies spricht für einen kumulativen Effekt: erst nach Jahren macht sich die sitzende Tätigkeit beim Körpergewicht merkbar.

„Möglicherweise bleiben fettleibigere Personen beim Übergang ins Erwachsenenalter eher ihrem Hobby Videospielen treu, während für andere neue Freizeitangebote wichtiger werden“, vermutet der Würzburger Kommunikationspsychologe Professor Markus Appel, der zusammen mit seiner Mitarbeiterin Caroline Marker und Professor Timo Gnambs (Johannes-Kepler-Universität Linz bzw. Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Bamberg) die Metaanalyse durchgeführt hat. Insgesamt sprechen die Daten kaum dafür, Kindern und Jugendlichen das beliebte Videospielen zu untersagen. Sie sprechen aber wie viele andere Studien durchaus für körperliche Aktivität und Sport.

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)