ECDC: Zahl der Gonorrhoe-Fälle in Europa um 17 Prozent gestiegen

  • European Center for Disease Prevention and Control

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

2017 ist die Zahl der Gonorrhoe-Fälle in Europa im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent gestiegen. Dies teilte das European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) in einem aktuellen Bericht mit. Danach lagen der Seuchenbehörde mehr als 89.000 bestätigte Diagnosen vor - umgerechnet mehr als 240 Gonorrhoe-Fälle pro Tag. Deutschland ist von der Berechnung ausgenommen, da hierzulande seit 2001 keine Meldepflicht für Gonorrhoe besteht.

Zweithäufigste sexuell übertragbare Infektion

Nachdem die Erkrankungszahlen zwischenzeitig rückläufig waren, nahm die Zahl der gemeldeten Infektionen mit dem Erreger Neisseria gonorrhoeae 2017 wieder zu. Einige Länder, darunter Finnland und Schweden, verzeichneten sogar einen Zuwachs von mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch auf Malta (plus 37 %), in der Slowakei (plus 36 %) und in Slowenien (plus 40%)  wurden mehr Fälle von Tripper diagnostiziert. In Frankreich und Portugal haben sich 2017 die Erkrankungszahlen versechsfacht.

Mit insgesamt 558.155 bestätigten Fällen zwischen 2008 und 2017 stellt die Infektion mit dem Erreger Neisseria gonorrhoeae nach Chlamydieninfektionen die zweithäufigste sexuell übertragbare Krankheit in der EU und dem Europäischen Wirtschaftsraum dar. Dabei variieren laut Bericht die Raten der gemeldeten Gonorrhoe-Fälle in Europa von einem Fall pro 100.000 Einwohner in Bulgarien und Kroatien bis zu 75 Fällen pro 100.000 Einwohner im Vereinigten Königreich.

Besorgniserregende Erkrankungszahlen bei Frauen

Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, machten 2017 fast die Hälfte der Gonorrhoe-Fälle aus, heißt es in dem Bericht. In dieser Gruppe ist die Zahl der Infektionen seit 2008 um den Faktor 5,8 gestiegen. Mit Sorge beobachtet der ECDC aber vor allem die Zunahme der gemeldeten Gonokokken-Infektionen bei Frauen (von 9,5 auf 11 pro 100.000 Einwohner zwischen 2016 und 2017), da eine unbehandelte Gonorrhoe zu Entzündungen des Beckens oder sogar zu Unfruchtbarkeit führen kann.

Einer der möglichen Gründe für die konstant hohe Rate der gemeldeten Gonokokken-Infektionen in Europa sieht die Seuchenbehörde darin, „dass die Menschen immer wieder Sex mit neuen und zufälligen Partnern ohne Kondom haben.“ Damit sei es einfach, Gonorrhoe weiterzugeben, die immer resistenter gegen die gängigen Antibiotika-Behandlungsoptionen wird, betont der ECDC-Experte Gianfranco Spiteri. So zeigten die Ergebnisse des ECDC-Überwachungsprogramms European Gonococcal Antimicrobial Surveillance Anfang des Jahres eine anhaltende Resistenz von Neisseria gonorrhoeae gegen Azithromycin, was laut ECDC die empfohlene Doppeltherapie mit Ceftriaxon und Azithromycin immer schwieriger mache.