ECDC: MMR-Impfung für Migranten hat höchste Priorität


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat erneut auf die Leitlinien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten von Migranten hingewiesen. Darin rät die ECDC auch zu Schutzimpfungen gegen verschiedene Infektionserkrankungen. Am meisten würden laut Empfehlung des Präventionszentrums neu eingewanderte Migranten von einer MMR-Impfung profitieren.

Hintergrund

Auch wenn Migranten in der Regel keine gesundheitliche Bedrohung für die aufnehmende Bevölkerung darstellen, gibt es Erkrankungen, die mit den Flüchtlingen und Asylbewerbern nach Europa gelangen können. Dazu gehören neben Tuberkulose, HIV und Hepatitis B und C auch impfpräventable Erkrankungen, die möglicherweise auf eine durch eine niedrige Impfquote nur unzureichend geschützte Bevölkerung treffen. Daher können Vorsorge- und Impfprogramme für neu eingetroffene Migranten von Nutzen sein, heißt es in den ECDC-Leitlinien.

Hauptergebnisse

Auf der ECDC-Prioritätenliste ganz oben steht die MMR-Impfung (Masern/Mumps/Röteln), die allen Kindern und Jugendlichen ohne Impfnachweis angeboten werden sollte. Aber auch Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio und HiB werden für Kinder und Jugendliche als sinnvoll erachtet. Erwachsene Migranten könnten eine erste Serie von Impfstoffen gegen Diphtherie, Tetanus und Polio erhalten.

Klinische Bedeutung

Damit decken sich die Empfehlungen der ECDC mit denen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) für Migranten und Asylsuchende. So fehlt laut RKI Jugendlichen mit Migrationshintergrund häufiger die erste oder zweite Masernimpfung, als es bei Gleichaltrigen ohne eigene Migrationserfahrung festgestellt wird. Darüber hinaus müsse bei Migranten aus tropischen Ländern mit dem Auftreten von Varizellen bei Erwachsenen gerechnet werden. Besonders gefährdet bei einer Infektion mit Varizellen seien Schwangere und Immundefiziente. Flüchtlinge aus Regionen mit niedriger Windpockenprävalenz sollten daher über diese in Deutschland weit verbreitete Infektionskrankheit informiert werden und bei Bedarf ein Impfangebot erhalten, heißt es in den Empfehlungen des RKI.

Für Diphterie gilt: 11- bis 17-Jährige mit Migrationshintergrund - insbesondere nach der Geburt Zugewanderte - sind seltener vollständig gegen Diphtherie grundimmunisiert verglichen mit Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund. Außerdem fehlt ihnen nach RKI-Angaben auch häufiger die erste Auffrischimpfung.

Das RKI empfiehlt, Schutzimpfungen bei Migranten und Asylsuchenden möglichst frühzeitig, bevorzugt innerhalb der ersten Tage nach Aufnahme in einer Erstaufnahmeeinrichtung vorzunehmen.