ECDC: Knapp 1000 diagnostizierte Malaria-Fälle in Deutschland

  • European Centre for Disease Prevention and Control

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

2017 wurden 8.401 Malaria-Fälle in den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EU/EEA) dokumentiert. Dies teilte das European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) in einem aktuellen Jahresreport mit. Danach ging die Hälfte aller eingeschleppten Malaria-Infektionen auf das Konto von Frankreich (2.712), gefolgt von Großbritannien mit 1.777 Fällen. Beide Länder haben enge historische, kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen zu den Endemiegebieten in Afrika. In Deutschland wurden 2017 knapp 1000 Fälle diagnostiziert.

Malaria-Fälle in Europa größtenteils reisebedingt

Fast alle Malaria-Erkrankungen (99,8%) waren reisebedingt, wobei der größte Teil aus afrikanischen Ländern importiert wurde. Die meisten der eingeschleppten Malaria-Fälle in Frankreich und dem Vereinigten Königreich sind mit Reiserouten aus Westafrika verbunden, heißt es in dem Jahresbericht der europäischen Seuchenbehörde. Auch Saisonalität und Altersverteilung der Fälle in Europa spiegeln höchstwahrscheinlich das Reiseverhalten in Malaria-endemische Länder wider. So wurde in den Monaten August und September mit mehr als 1.000 infizierten Menschen die höchste Zahl der Malaria-Fälle in Europa dokumentiert. In den Wintermonaten waren es nur 200.

Aktuelle Literatur deutet laut ECDC ebenfalls darauf hin, dass ein erheblicher Teil der in die EU/EWR eingeführten Malaria-Fälle unter den jüngsten Einwanderern aus Malaria-endemischen Ländern und den bereits in Europa angesiedelten Migranten und ihren Familien auftritt, die gereist sind, um Freunde und Verwandte in ihren Heimatländern zu besuchen.

Autochthone Infektionen sind mit 21 Fällen nur sporadisch in Europa aufgetreten, berichtet die Seuchenbehörde, darunter ein Fall in Deutschland. Infektionen außerhalb eines Endemiegebietes sind möglich, wenn die Infektion durch importierte infektiöse Mücken entweder im Flugzeug oder im Reisegepäck erfolgt oder aber eine Übertragung im Krankenhaus stattfindet.

Bewusstsein für Malaria nach Reise in Endemiegebiete schärfen

Die Malaria beginnt mit uncharakteristischen Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie allgemeinem Krankheitsgefühl. Häufig werden solche Anzeichen daher als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Infektion fehlinterpretiert. „Das Bewusstsein für Malaria sollte bei Ärzten und Reisenden, insbesondere bei Menschen, die Freunde und Verwandte in malariaendemischen Ländern besuchen, hoch bleiben“, mahnt der ECDC. Bei jeder unklaren fieberhaften Erkrankung nach einem Tropenaufenthalt müsse daher differenzialdiagnostisch immer eine Malaria in Betracht gezogen und unverzüglich eine Labordiagnostik veranlasst werden, betont auch das Robert Koch-Institut. Denn eine regelrecht durchgeführte Malariaprophylaxe schließe eine Malaria nicht aus.