ECCVID 2020: Welche Therapien sind zurzeit am vielversprechendsten für COVID-19?


  • Priscilla Lynch
  • Conference Reports
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Antikörperbasierte Therapien sind derzeit am vielversprechendsten für eine erste Welle wirksamer und auf breiterer Basis anwendbarer Behandlungen gegen COVID-19, so Prof. Luke O’Neill, Vorsitzender der Fakultät für Biochemie am Trinity College Dublin in Irland.

In seinem Keynote-Vortrag während der ESCMID Conference on Coronavirus Disease (ECCVID) 2020 sagte Prof. O’Neill: „Es gibt erhebliche Hoffnung mit Antikörpertherapien.“

„Meiner Meinung nach wird der große Durchbruch für die Menschheit insgesamt die Zulassung einer Antikörpertherapie sein, und viele Unternehmen entwickeln beispielsweise hochwirksame Anti-Spike-Antikörper, die sich als vielversprechend erweisen. Antikörper sind zudem sehr sicher und könnten auch prophylaktisch angewendet werden, z. B. bei Patienten in Pflegeheimen. Daher sind sie möglicherweise der große Durchbruch vor einem Impfstoff, und Berichte aus klinischen Studien werden für November/Dezember erwartet. Zurzeit gibt es 44 laufende Studien zu Antikörpertherapien.“

Er erwähnte überdies positive Befunde zu Dexamethason (um ca. 70 % geringere Mortalität bei beatmeten Patienten mit COVID-19) und zur Erforschung der Immungedächtnisreaktion mit dem BCG-Impfstoff, der bekanntlich einen gewissen Schutz gegen andere virale Atemwegsinfektionen bietet. „Es gibt sieben Studien zu BCG, die derzeit laufen, und wir dürften bald erste Ergebnisse sehen. Dies ist eine Zwischenlösung bis zu einem COVID-19-Impfstoff.“

Darüber hinaus wird seit einigen Tagen der neueste COVID-19-Impfstoffkandidat in Phase III getestet, „die in Bezug auf die Anzahl von Personen (60.000) die größte derartige Studie in der Medizingeschichte ist. Es besteht also wirklich Hoffnung. Ein Impfstoff wird enorm helfen – selbst wenn er nur teilweise wirksam ist.“

Im Gespräch mit Univadis wies Prof. O’Neill auf die riesige Bandbreite der bereits veröffentlichten Forschungsarbeiten zu COVID-19 hin. In seiner jüngsten Recherche in PubMed zählte er über 55.000 Originalartikel, „was für ein brandneues Virus erstaunlich ist“.

„Es zeigt, welche riesigen Anstrengungen von Wissenschaftlern, Ärzten und allen Betroffenen in dieses Virus gesteckt werden. Es ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie sich die ganze Welt gemeinsam dagegen einsetzt.“