ECCVID 2020: Männer tragen ein erhöhtes Risiko für COVID-19-bedingten Tod und längere Krankenhausaufenthalte


  • Priscilla Lynch
  • Conference Reports
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Eine neue, auf der 2020 ESCMID Conference on Coronavirus Disease (ECCVID) präsentierte Forschungsarbeit zeigt, dass Männer mit COVID-19 schlechtere Ergebnisse aufweisen als Frauen, was möglicherweise mit einer stärkeren Entzündung zusammenhängt.

Die Studie von Dr. Frank Hanses, Universitätskrankenhaus Regensburg, Deutschland, und seinen Kollegen zeigt, dass Männer nach Bereinigung um verschiedene Faktoren im Vergleich zu Frauen ein um 62 % erhöhtes Risiko für einen COVID-19-bedingten Tod aufweisen.

Zunehmend mehr Evidenzen deuten auf einen Geschlechtsunterschied bei SARS-CoV-2-Infektionen hin. In dieser Studie stellen die Autoren eine erste Analyse des Datensatzes aus der internationalen, multizentrischen Umfrage „Lean European Open Survey on SARS-CoV-2-Infected Patients (LEOSS)“ zur Auswirkung des Geschlechts bei COVID-19 vor. Sie beurteilten retrospektiv 3.129 erwachsene Patienten mit COVID-19, die zwischen März und Juli 2020 aufgenommen wurden.

Das Verhältnis Männer : Frauen in dieser mehrheitlich krankenhausbasierten Kohorte lag bei 1,48 mit einer Überzahl an Männern in allen Altersgruppen. Die Überzahl der Männer war in den Altersgruppen > 65 Jahre und > 75 Jahre noch deutlicher ausgeprägt.

Die meisten Komorbiditäten unterschieden sich zwischen Männern und Frauen nicht signifikant, während eine koronare Herzerkrankung (18 % vs. 10 %) und die Raten an Rauchern (14,5 vs. 10,5 %) bei männlichen Patienten höher waren als bei weiblichen Patienten.

Eine Progression zu einer kritischen Phase (im Allgemeinen widergespiegelt durch eine Einweisung auf die Intensivstation) wurde häufiger bei Männern als bei Frauen beobachtet (30,6 % vs. 17,2 %). Die mittlere Dauer des Krankenhausaufenthalts war bei männlichen Patienten länger (15,4 Tage vs. 13,3 Tage).

Sowohl die rohen Sterblichkeitsraten (19,2 % vs. 12,9 %) als auch die COVID-19 zuzuschreibenden Sterblichkeitsraten (17,1 % vs. 10,3 %) waren bei Männern signifikant höher.

Während die meisten Laborparameter zwischen männlichen und weiblichen Patienten mit COVID-19 vergleichbar waren, wiesen Männer in allen Krankheitsabschnitten signifikant höhere Werte der Entzündungsmarker (IL-6, CRP, PCT, Ferritin) auf.

Expertenkommentar:

Frage: Was sind die klinischen Implikationen Ihrer Forschung für Männer?

Hanses: „Männer (und auch ihre behandelnden Ärzte) müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass Männer ein schlechteres Ergebnis/höheres Risiko aufweisen (das Hauptmanko ist, dass wir noch keine gute Erklärung oder andere Behandlungsvorschläge bieten können).“