ECCVID 2020 — Hohe Prävalenz von Erschöpfung nach SARS-CoV-2-Infektion unabhängig von der Schwere von COVID-19


  • Priscilla Lynch
  • Conference Reports
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Eine Forschungsarbeit, die auf der vom 23.–25. September online abgehaltenen 2020 ESCMID Conference on Coronavirus Disease (ECCVID) präsentiert wurde, zeigt, dass eine andauernde Erschöpfung bei mehr als der Hälfte der Patienten, die von COVID-19 genesen sind, vorliegt, unabhängig vom Schweregrad ihrer Infektion.

„Erschöpfung ist ein häufiges Symptom bei Patienten, die mit einer symptomatischen COVID-19-Infektion vorstellig werden. Während die sich präsentierenden Merkmale der SARS-CoV-2-Infektion gut beschrieben wurden, bleiben die mittel- und langfristigen Folgen der Infektion unerforscht“, erklärte der Studienleiter Dr. Liam Townsend vom St. James’s Hospital und Trinity Medicine Institute, Trinity College, Dublin, Irland.

Die Studie setzte eine häufig verwendete Skala zur Bestimmung der Erschöpfung bei genesenen Patienten ein, die Chalder Fatigue Score (CFQ-11) genannt wird. Sie sahen sich auch die Schwere der anfänglichen Infektion des Patienten (Notwendigkeit einer stationären Behandlung und Intensivpflege), dessen Vorerkrankungen einschließlich Depression und verschiedene Marker für die Immunaktivierung (Leukozytenzahl, C-reaktives Protein, Interleukin-6 und sCD25) an.

Die Studie umfasste 128 Teilnehmer (mittleres Alter: 50 Jahre; 54 % weiblich), die innerhalb eines Medians von 10 Wochen nacheinander rekrutiert wurden, nachdem sie sich klinisch von einer SARS-CoV-2-Infektion erholt hatten. Mehr als die Hälfte berichtete zu diesem Zeitpunkt von persistierender Erschöpfung (52,3 %; 67/128).

Von den in dieser Studie untersuchten Patienten wurden 71/128 (55,5 %) stationär im Krankenhaus behandelt und 57/128 (44,5 %) nicht ins Krankenhaus eingewiesen. „Es wurde festgestellt, dass Erschöpfung unabhängig von der Aufnahme ins Krankenhaus auftritt und beide Gruppen gleichermaßen betrifft“, erklärte Dr. Townsend.

Es bestand keine Assoziation zwischen der Schwere der COVID-19-Erkrankung (Notwendigkeit einer stationären Aufnahme, unterstützenden Sauerstoffversorgung oder Intensivpflege) und der Erschöpfung infolge von COVID-19. Darüber hinaus gab es keinen Zusammenhang zwischen den Routine-Labormarkern für Entzündung und den Zellumsatz (Leukozytenzahl oder -verhältnisse, Laktatdehydrogenase, C-reaktives Protein) oder proinflammatorischen Molekülen (IL-6 oder sCD25) und Erschöpfung nach COVID-19.

Patienten weiblichen Geschlechts und solche mit einer vorbestehenden Diagnose von Depression/Angststörung waren unter denjenigen mit Erschöpfung überrepräsentiert. Obwohl Frauen nur über die Hälfte der Patienten in der Studie (54 %) ausmachten, waren zwei Drittel der Patienten mit persistierender Erschöpfung (67 %) Frauen.