ECCMID 2019 - Personalisierte Antibiotikatherapie könnte dem Darmmikrobiom zugute kommen


  • Jackie Johnson
  • Conference Reports
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Wird zu viel Hoffnung in das Mikrobiom gesetzt? Ist die Welt breit für eine personalisierte Antibiotikatherapie?

Laut Tacconelli bleibt die Umsetzung wissenschaftlicher Studien in die klinische Praxis schwierig, und Antibiotikastudien sind da keine Ausnahme. Zwar gibt es genügend evidenzbasierte Daten, um negative Auswirkungen auf das individuelle Mikrobiom durch Antibiotikabehandlungen zu verringern, aber das verlangt eine strikte Einhaltung der Prinzipien der Antibiotikaverwaltung: Die Wahl von Komponenten, Dosis, Verabreichungsweg und Behandlungsdauer muss stimmig sein. Aber vielen behandelnden Ärzten fehlt das Wissen über die epidemiologischen, mikrobiologischen, klinischen und pharmakologischen Prinzipien der personalisierten Antibiotikatherapien, die es für Patienten gibt. Außerdem wurden bisher keine klinischen Richtlinien festgelegt. 

Eine weitere wichtige Einschränkung von Mikrobiomstudien ist die Schwierigkeit, aufgrund kleiner Stichproben und der natürlichen Heterogenität der Daten schlüssige Nachweise zu erlangen. Die gleichzeitige Verabreichung anderer Antibiotika, vorangegangene Antibiotikaexpositionen oder Krankenhausaufenthalte, mannigfaltige Altersgruppen und unterschiedliche Dosierungsschemata komplizieren die Datenauswertung.

Tacconelli merkte an, dass ein individualisierter, translationaler Ansatz als Strategie für Antibiotikabehandlungen nur möglich ist, wenn genetische und epigenetische Studien mit klinischen Behandlungsergebnissen verbunden werden. Es ist wichtig, dass zukünftige Studien den Grad der bakteriellen Diversität bestimmen, der zu Therapieversagen führt.

Forscher, die sich mit Sequenzierungsstudien des gesamten Genoms beschäftigen, laufen Gefahr, die Verbindung zur personalisierten Medizin zu verlieren, weil sie sehr große Datenmengen sammeln und analysieren. Im klinischen Setting kann der Datenschutz ein limitierender Faktor für die Effektivität sein.  

Und schließlich sind Behandlungen, die auf die molekulare Ebene zielen, recht teuer, da sie per se nur für eine begrenzte Anzahl von Patienten geeignet sind. Für Teams in der Arzneimittelentwicklung gab Tacconelli zu Bedenken, dass das dysbiotische Potenzial ein neuer Parameter werden könnte, den sie bei der Entwicklung neuer Antibiotika berücksichtigen müssen.

Expertenkommentar:

Frage: Haben Sie den Ausgangsstatus [des Mikrobioms] der Patienten in Ihren Studien untersucht?

Tacconelli: Wir sind dabei und hoffen, dass wir das bald als zweite Follow-up-Studie veröffentlichen können.