ECCMID 2019 - Nicht antibiotische Arzneimittel für Menschen beeinflussen kommensale Darmbakterien


  • Jackie Johnson
  • Conference Reports
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Eine in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Studie zeigte, dass die Metformin-Behandlung bei Patienten mit Typ-II-Diabetes eine Veränderung der Zusammensetzung des Darmmikrobioms verursachte.1 Es gibt ähnliche Studien, bei denen die Veränderungen des Mikrobioms mit nicht antibiotischen Arzneimitteln in Verbindung gebracht wurden, aber die Zahl nicht antibiotischer Arzneimittel auf dem Markt geht in die Tausende, und es ist noch wenig darüber bekannt, wie diese Arzneimittel den Darm beeinflussen können. Die meisten Studien sind korrelativ, und spezifische Arzneimittel-Bakterien-Wechselwirkungen sind größtenteils unbekannt.

Diese von Kiran R. Patil vorgestellten Studien2 waren darauf ausgelegt, von Korrelationen zu präziseren Mechanismen der Arzneimittel-Bakterien-Interaktion zu kommen und Licht in die komplexen Daten auf Gemeinschaftsebene bringen. Deswegen verwendeten die Forscher mehrere In-vitro-Screens mit einzelnen Bakterien und In-vitro-Gemeinschafts-Screens, um direkte Arzneimittel-Bakterien-Wechselwirkungen zu finden. In einem Screen wurden die 1200 Arzneimittel der chemischen Prestwick-Bibliothek mit 40 repräsentativen menschlichen Darmisolaten und 38 repräsentativen Spezies abgeglichen – insgesamt eine direkte Analyse von von 48.000 Arzneimittel-Strang-Paaren.

Ein wesentlicher Teil der Arzneimittel für Menschen beeinträchtigte die kommensalen Darmbakterien. Fast ein Viertel der nicht antibiotischen Arzneimittel hemmte das Wachstum von mindestens einer kommensalen Spezies. Dies könnte in einigen Fällen die Nebenwirkungen von Arzneimitteln erklären. Zum zweiten waren kommensale Bakterien, die auf nicht antibiotische Arzneimittel ansprachen, auch empfindlich gegenüber Antibiotika, und reichlich vorhandene kommensale Bakterien wurden von Arzneimitteln stärker beeinträchtigt.

Die Forscher fanden auch heraus, dass einige Antidepressiva, einschließlich Duloxetin, einer Bioakkumulation durch Darmbakterien unterlagen. Dies scheint ein weitverbreitetes, wenn auch unterschätztes Phänomen zu sein, das für Studien zur Arzneimittelwirksamkeit und Pharmakokinetik relevant ist.

Patil betonte, dass diese Ergebnisse darauf hindeuten, dass nicht antibiotische Arzneimitteltherapien zu einer Störung auf Gemeinschaftsebene des Darmmikrobioms führen können, was gerade in laufenden Studien noch weiter untersucht wird.

Expertenkommentar:

Frage: Müssen wir probiotische Ansätze in Erwägung ziehen, wenn nicht antibiotische Arzneimittel eingesetzt werden?

Antwort: Probiotika könnten ein Ansatz sein. Ein zweiter Ansatz könnten Arzneimittelkombinationen zur Modulation dieser Wirkungen sein.  Es müssen nicht unbedingt Arzneimittel sein, es könnten auch Nahrungsbestandteile sein.