ECCMID 2019 - Chemotherapie gegen Krebs fördert antimikrobielle Resistenz durch Zerstörung des Darmmikrobioms


  • Jackie Johnson
  • Conference Reports
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Für diese Studie stellten Forscher unter der Leitung von Geraint Rogers die Hypothese auf, dass eine Chemotherapie die Zusammensetzung der kommensalen Darmflora verändert und einer de-novo-Antibiotikaresistenz Vorschub leistet. Bei der Untersuchung von 16 Patienten vor und nach einer Chemotherapie beobachteten sie eine Expansion von Enterobacteriaceae. Aber es gab keine anderen signifikanten Änderungen in der Struktur des Mikrobioms. Sie fanden signifikant mehr der übertragbaren, für Efflux-Pumpen codierenden Resistenzgene oqxB und MuxB sowie einen signifikanten Anstieg arzneimittelresistenter Bakterienkolonien.

Zytotoxische Chemotherapien verursachen Brüche in Doppelstrang- und Einzelstrang-DNA, die eine SOS-Antwort in den Bakterien auslösen. Die SOS-Antwort begünstigt de-novo-Mutationen, was zu multiresistenten Stämmen führt, wie Rogers feststellte. Für Mitomycin C, ein Zytostatikum aus der Alkylansklasse, wurde nachgewiesen, dass es die Morphologie von E. coli nach der Therapie drastisch verändert hatte.  Ähnliche Ergebnisse wurden nach der Therapie mit Cisplatin, einem häufig eingesetzten Zytostatikum, beobachtet: Es erhöht die GG- und AG-Kreuzverbindungen in den Strängen.

Bei mindestens 5 % aller Krankenhauseinweisungen von Krebspatienten ist eine schwere Sepsis beteiligt, die durch eine Neutropenie aufgrund einer zytotoxischen Chemotherapie ausgelöst werden kann.1,2 Die aktuelle Behandlung bei Sepsis konzentriert sich auf schnelle, empirische Breitbandantibiotikatherapien. Präklinische Modelle haben allerdings gezeigt, dass eine Schädigung des Darmmikrobioms durch Antibiotika das Risiko von Blutstrominfektionen durch die Expansion multiresistenter E. coli erhöht. Rogers3 betonte, dass Chemotherapien eine Dysbiose auslösen, die zu starker Vermehrung von Pathogenen führt. Antibiotika sind dann ein mächtiger Selektor für resistente Bakterien, was die Darmbarriere und die Abwehrfunktionen schädigt.

Insgesamt hob Rogers die Bedeutung des Darmmikrobioms bei der Chemotherapie von Krebspatienten hervor.  

Expertenkommentar:

Frage: Wie sieht es mit Antikörpertherapien bei Krebs aus? Haben die die gleiche Wirkung auf das Darmmikrobiom?

Antwort: Dazu habe ich keine Daten, aber ich würde vermuten, dass die Auswirkungen, die wir gesehen haben, sich nicht auf die Chemotherapie beschränken, sondern auch bei anderen Therapien auftreten.