ECCMID 2019 - Angriff auf die Schnittstelle zwischen Wirt und Pathogen bei MDR-Superkeimen


  • Jackie Johnson
  • Conference Reports
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Bevor Patienten sich ihrem behandelnden Arzt vorstellen, wird ihre Infektion bereits von Dutzenden natürlichen Antibiotika „behandelt“, nämlich dem angeborenen Immunsystem, erklärte Prof. Victor Nizet bei seiner Keynote auf dem ECCMID 2019.

In seinem Vortrag ermunterte Nizet die Zuhörer, etabliertes Wissen zu hinterfragen: Unterschätzen wir das therapeutische Potenzial aktueller, von der FDA zugelassener Antibiotika, indem wir urteilen, sie würden die angeborene Immunabwehr des Wirts nicht kennen? Können Arzneimittel aus anderen Bereichen der Medizin günstige Wirkungen auf die Wirt-Pathogen-Schnittstelle haben?

Nizet stellte Studien aus seinem Labor über Wirt-Pathogen-Wechselwirkungen in extrem multiresistenten gramnegativen Stämmen vor.

In einer Studie verhinderte das in den USA am häufigsten verschriebene Antibiotikum Azithromycin (AZM) eine Proteinsynthese, wenn man Acinetobacter baumannii in einem Gewebekulturmedium züchtete, aber nicht in herkömmlicher Müller-Hinton-Bouillon. AZM induzierte deutliche strukturelle Änderungen in Pseudomonas (von Stäbchen zu Kokke), was für eine Veränderung der Zellwandintegrität in einem Organismus spricht, der eigentlich nicht auf AZM ansprechen sollte.

Die Forscher fanden auch heraus, dass Statine (Arzneimittel zur Senkung des Cholesterinspiegels) die tödliche Wirkung von Neutrophilen auf S. Aureus verstärken können. Dieser Effekt wurde bei mehreren Bakterienspezies beobachtet. Der Mechanismus war ungewöhnlich: Die Neutrophilen erstellten NETs, DNA-basierte extrazelluläre Fallen, um pathogene Bakterien zu fangen und zu vernichten.

In einer anderen Studie war eine niedrige Thrombozytenkonzentration mit einer höheren Sterblichkeit bei Patienten mit Staphylococcus aureus-Bakteriämie assoziiert. Die Forscher fanden heraus, dass Thrombozyten diese Bakterien in vitro besser vernichten konnten als Neutrophile, und dass diese Bakterien die Thrombozytenzahl im Blut senkten – als ob Bakterien und Thrombozyten in direkter Konkurrenz stünden. Der von der FDA zugelassene P2Y12-Hemmer Ticagrelor kann eine durch Staphylococcus aureus verursachte Zytotoxizität blockieren, was vor bakterienbedingter Mortalität schützte.

In seinem Vortrag stellte Nizet einige elegante Studien an der Schnittstelle zwischen Wirt und Pathogen vor und empfahl neuartige, neu ausgerichtete Behandlungsstrategien gegen multiresistente gramnegative Bakterien.