EBM-Reform: KV Hessen schießt gegen KBV

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Berlin (pag) – Die EBM-Reform kommt bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen nicht gut an. Sie wirft dem Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Versagen vor und fordert in einer Resolution unverzügliche Neuverhandlungen.

 

„Entgegen anders lautender Behauptungen haben die Berufsverbände die neue Gebührenordnung in der Form nicht genehmigt – diese müssen ihren Mitgliedern nun erklären, warum sie teilweise bis zu 15 Prozent des Praxisumsatzes und 30 Prozent ihres Praxisergebnisses verlieren sollen. Und das bei gleichbleibender Arbeitsbelastung“, heißt es in der Resolution. „Hier findet eine gesetzlich vorgeschriebene (Teil-)Enteignung bestimmter Facharztgruppen statt.“ Die Förderung der sprechenden Medizin heißt die KV zwar gut, diese müsse nun aber per Umverteilung realisiert werden. Dadurch gerieten Praxen in finanzielle Not, der Anreiz zur Niederlassung sinke. Der KBV-Vorstand verhalte sich verantwortungslos gegenüber den Niedergelassenen.

Medienberichten zufolge bezeichnet KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen die Vorwürfe aus Hessen als „skurril“. KV-Vertreter seien stets über die Entwicklungen der EBM-Reform auf dem Laufenden gehalten worden.

Der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte dagegen wettert gegen die Krankenkassen. Diese gingen bei der Tonschwellenaudiometrie davon aus, dass 40 Prozent aller Hörtests ohne Arzthelferin oder Medizinische Fachangestellte erstellt werden könnten, sagt Verbandspräsident Dr. Dirk Heinrich. Das sei schlicht nicht möglich. Die HNO-Ärzte hatten deswegen auf eine 100-prozentige Anrechnung gesetzt. Im alten EBM seien es nur 20 Prozent. Heinrich: „Als Folge des Fehlers blieben die niedergelassenen HNO-Ärzte seit 2009 auf Personalkosten im dreistelligen Millionenbereich sitzen.“ Er fordert die Kassen zur Korrektur auf.

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) vermisst „eine dringend notwendige Kompensation der Hygienekosten beim Ambulanten Operieren“. Diese seien durch gesetzliche Vorgaben stark gestiegen. „Die durch externe Vorgaben zusätzlich verursachten Kosten liegen pro Eingriff bei ca. 55 Euro“, sagt BDC-Vizepräsident Dr. Jörg-A. Rüggeberg. Gerade angesichts der von der Politik gewünschten Verlagerung von stationär nach ambulant sei die fehlende Anerkennung der verursachten Zusatzkosten ein fatales Signal.