EAU-Kongress: Lebensqualität nach Prostatakrebstherapie stärker beeinträchtigt als bislang vermutet

  • Europäische Gesellschaft für Urologie

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Nach einer Prostatakrebs-Behandlung müssen viele Männer Einbußen ihrer Lebensqualität in Kauf nehmen. Harninkontinenz sowie Störungen der Sexualfunktion werden dabei am belastendsten empfunden. Das hat eine von Patienten selbst initiierte Befragung von fast 3000 Männern mit Prostatakrebs aus 25 europäischen Ländern ergeben, die jüngst beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) vorgestellt wurde.

Einbußen der Lebensqualität höher als vermutet

Die Ergebnisse der so genannten EUPROMS-Studie  (Europa Uomo Patient Reported Outcomes Study) deuten darauf hin, dass jede Behandlung außer der aktiven Überwachung (Active Surveillance) die Lebensqualität negativ beeinflussen kann, heißt es in einer Mitteilung zum Kongress. Die Auswirkungen seien zudem bei vielen Männern größer als bislang angenommen.

Für die etwa 20-minütige Online-Umfrage wurden die Männer gebeten, die drei als Standard geltenden validierten Fragebögen zur Lebensqualität ( EPIC-26, EORTC-QLQ-C30, EQ-5D-5L) auszufüllen. Das mittlere Alter der Befragten betrug 70 Jahre, und im Durchschnitt berichteten die Männer sechs Jahre nach der Behandlung über ihre Lebensqualität.

Verminderte Sexualfunktion belastet die Männer am häufisten

Laut Studie sind Harninkontinenz und sexuelle Funktionsstörungen die beiden Bereiche, in denen die befragten Männer die meisten Probleme hatten. So gab von den Befragten jeder Zweite an, dass der Verlust der sexuellen Funktion, einschließlich der Fähigkeit eine Erektion zu haben oder einen Orgasmus zu erreichen, die Lebensqualität stark beeinträchtigt: Für 28 Prozent stelle eine verminderte Sexualfunktion ein großes, für 22 Prozent ein moderates Problem dar.  

Damit seien Sexualstörungen für viele Patienten ein größeres Problem als bisher angenommen, berichtet André Deschamps, Präsident des EAU-Kongresses: „Wir hören oft, dass der Verlust der Sexualfunktion eher ein kleines Problem für die Patienten ist und die Auswirkungen auf die Lebensqualität nicht überschätzt werden sollten.“ Prostatakrebs gelte, so Deschamps, außerdem typischerweise als eine Erkrankung „alter Männer“ was impliziert, dass der Verlust der sexuellen Funktion weniger relevant sei. 

Bessere Lebensqualität bei früher Therapie

Die Ergebnisse zeigen auch, dass die beste Lebensqualität erzielt wird, wenn der Krebs in einem frühen, heilbaren Stadium entdeckt wird. „Dies bedeutet, dass Anstrengungen zur Früherkennung und Sensibilisierung unerlässlich sind, um eine unnötige Verschlechterung der Lebensqualität zu vermeiden, sagte Deschamps. Wo immer es möglich und sicher sei, sollte eine aktive Überwachung als Erstbehandlung angesehen werden, um die beste Lebensqualität zu gewährleisten. Der EAU-Präsident fügte hinzu: „Die Ergebnisse dieser Umfrage unterscheiden sich von klinischen Studien, in denen dieselben validierten Fragebögen verwendet wurden.“ Dies ersetze nicht frühere Studien, deute jedoch darauf hin, dass weitere Untersuchungen erforderlich seien.