eAU: Ärzten droht Mehrarbeit zum Jahresstart

  • Lisa Braun
  • Medizinische Nachrichten
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Berlin (pag) - Ein wichtiges Thema bei der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) war auch in diesem Jahr die Digitalisierung. Bekanntermaßen sind die Praxen nicht zufrieden mit der Umsetzung. Zum Jahreswechsel erhält die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) eine neue Funktion. KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel befürchtet, dass es damit nicht so laufen wird wie geplant.

Die eAU verursacht laut KBV in den Praxen einen jährlichen Mehraufwand von 1,25 Millionen Stunden. Zum Jahreswechsel kommt möglicherweise ein weiteres Problem hinzu. Vier Millionen Arbeitgeber sollen ab dann die eAU elektronisch vom Kassenserver abrufen. „Dem Vernehmen nach wissen die wenigsten Arbeitgeber davon, noch werden sie organisatorisch wie technisch in der Lage dazu sein“, sagt KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel in seiner Rede. Gelinge der Start nicht, bedeute das möglicherweise noch mehr Aufwand in den Praxen. Daher habe die KBV beim Bundesarbeitsministerium sowie dem Arbeitgeberverband darauf gedrängt, einen reibungslosen Start sicherzustellen.

Neben der eAU sind für die Kassenärzte auch die elektronische Patientenakte (ePA), der elektronische Medikationsplan, der Notfalldatensatz und das E-Rezept ein Flop. Genauso wie das „Konnektoren-Debakel“. „Wir können zwar in Superlativen von der TI und allem, was daran hängt, sprechen, aber größtenteils in negativen“, resümiert Kriedel. Die Digitalisierung à la Spahn stecke in einer Sackgasse fest und unter Minister Prof. Karl Lauterbach scheine das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die Lust an der Spahnschen Elektrifizierung von Formularen verloren zu haben. Es seien „ganz schwerwiegende Anfängerfehler“ gemacht worden, so der Vorstand weiter. Einerseits habe die Politik gegängelt, statt zu motivieren, andere Akteure sind aus seiner Sicht hingegen nicht genug in die Pflicht genommen worden. „Man hat sich erpressbar gemacht zum Vorteil der Industrie und dann geht die Politik hin und beschwert sich über die Selbstverwaltung, die blockiere.“

Scheitert die ePA an ihrer Komplexität?

In Lauterbachs neuer Digitalisierungsstrategie soll die ePA den Dreh- und Angelpunkt bilden. Kriedel befürchtet jedoch: „Wenn wir dort wie angedacht alles reinpacken, dann wird die ePA an einer nie beherrschbaren Komplexität scheitern.“ Zudem stelle sich die Frage, ob die veraltete, nie wirklich im Vollbetrieb erprobte Infrastruktur das Fundament für solch ein schwergewichtiges Konstrukt tragen könne. „Wir wissen ja nicht einmal, ob die TI die Volllast schultern kann, wenn Rezepte und AUs komplett digital laufen.“

Zudem stellten sich den Praxen zahlreiche Fragen zu den Plänen für eine Opt-Out-ePA: Welche Teile der Praxisakten sollen in die ePA? Auch Gesprächsprotokolle von psychotherapeutischen Sitzungen? In welchen Abstufungen sollen die Versicherten noch Einfluss auf ihre ePA nehmen können? Wie wird sichergestellt, dass eine Filterfunktion zuverlässig alles anzeigt, was für den jeweils akuten Fall medizinisch relevant ist? Wer erhält welche Zugriffsrechte? Wichtig sei von Anfang an, den Fokus auch auf die Primärdatennutzung zu halten und nicht allein die Sekundärdatennutzung allem anderen überzuordnen.

Bund soll TI-Komponenten finanzieren

Kriedel warnt vor dem Plan von BMG und gematik, den stufenweisen Rollout des E-Rezeptes auszusetzen und es bundesweit an einem einzigen Stichtag einzuführen. „Wer zu schnell rast, geht ein höheres Crash-Risiko ein.“ Auch die Finanzierung müsse für eine erfolgreiche Digitalisierung geklärt sein, fordert Kriedel und wiederholt die KBV-Forderung, wonach sämtliche TI-Komponenten staatlicherseits als Infrastrukturaufgabe bereitgestellt und finanziert werden müssten. Mit Blick auf aktuelle Gesetzesvorhaben ergänzt er: „Es darf nicht passieren, dass die Praxen noch auf Jahre in Vorleistung gehen und mit monatlichen Stotterbeträgen abgespeist werden.“ Es brauche verbindliche Preisverhandlungen zwischen Industrie und Kassen.