EASD 2022 – Metformin bei Männern vor Empfängnis und Geburtsfehler: Zusammenhang?

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Erkenntnis

  • Die Behandlung von Diabetes mit Metformin bei Patienten, die Vater werden, ca. 3 Monate vor der Empfängnis ist mit einem erhöhten Risiko für schwere Geburtsfehler bei den Nachkommen verbunden, insbesondere für Geburtsfehler im männlichen Genitalbereich.

Medikamente gegen Diabetes, wie Metformin, üben glukoseunabhängige Wirkungen auf das männliche Fortpflanzungssystem aus. Deren Assoziation mit Geburtsfehlern bei den Nachkommen ist jedoch nach wie vor nicht aufgeklärt. Eine kürzlich durchgeführte Studie berichtete, dass die Behandlung mit Metformin bei Männern mit Typ-2-Diabetes zu einer ungefähr 20%igen Senkung des Testosteronspiegels führt, was Anlass für die hier vorgestellten Studie war.

In dieser landesweiten prospektiven Kohortenstudie verwendeten Forscher Daten aus Geburten- und Patientenregistern in Dänemark, um alle Lebendgeburten während der Jahre 1997–2016 zu vergleichen. Babys von Müttern mit Diabetes oder Hypertonie wurden ausgeschlossen. Da die Entwicklung von fruchtbarem Sperma etwa 3 Monate dauert, wurden Männer aufgenommen, die in den 3 Monaten vor der Empfängnis ein Diabetesmedikament verordnet bekommen hatten.

Von den 1.116.779 berücksichtigten Babys wiesen 3,3 % ≥ 1 schweren Geburtsfehler auf. Die Prävalenz von Nachkommen mit ≥ 1 schweren Geburtsfehler, die väterlicherseits angewendetem Insulin ausgesetzt waren (n = 5.298), betrug 3,3 %, 5,6 % waren väterlicherseits angewendetem Metformin ausgesetzt (n = 1.451). Nach Bereinigung um Störfaktoren war Metformin mit einem signifikant erhöhten Risiko für schwere Geburtsfehler assoziiert (bereinigte Odds Ratio [aOR]: 1,40; 95 %-KI: 1,08–1,82), Insulin jedoch nicht. Weitere statistische Analysen, die die Kontrolle auf Variablen ermöglichten, die das Ergebnis beeinflusst haben könnten, darunter das Alter des Vaters und der Mutter, untermauerten diese Ergebnisse mit Metformin. Die Studie ergab auch, dass die Nachkommen von Männern, die vor oder nach der 3-monatigen Spermienreifung Metformin-Verordnungen einlösten, keine höhere Inzidenz von Geburtsfehlern aufwiesen. Eine weitere auffällige Beobachtung war, dass bei den Metformin-exponierten Nachkommen Geburtsfehler im Genitalbereich häufiger und nur bei Jungen auftraten (aOR: 3,39; 95 %-KI: 1,82–6,30).

Obwohl diese Ergebnisse das Potenzial zur Änderung der klinischen Praxis aufweisen, müssen sie in anderen Kohorten bestätigt werden. Die Studie wurde am 29. März 2022 in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht und kurz danach im Science-Magazine unter dem Titel „Rare genital defects seen in sons of men taking major diabetes drug“ vorgestellt. Die Hauptfinanzierungsquelle waren die National Institutes of Health.