EAS 2020 — Notwendigkeit für aggressive Interventionen, da Europa die optimalen Zielwerte für Lipide nicht erreicht


  • Rashmi
  • Conference Reports
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Erkenntnis

  • Die DA-VINCI-Studie bringt eine Diskrepanz zwischen den Leitlinien der European Society of Cardiology / European Atherosclerosis Society und der klinischen Praxis des Lipidmanagements in Europa ans Licht. Sie zeigt, dass nur 54 % bzw. 33 % der Patienten ihre Ziele für 2016 bzw. die noch strengeren Ziele für 2019 erreichten.
  • Eine moderat intensive Monotherapie mit einem Statin (MIS) ist nach wie vor die am häufigsten angewendete lipidsenkende Therapie (LLT) in Europa. Diese führt selbst nach einer Optimierung noch zu Konzentrationen des Low density Lipoprotein-Cholesterin (LDL-C) von über 2,0 mmol/l.
  • Prof. Kausik Ray drängt auf die Notwendigkeit, die klinische Praxis zu ändern, indem die Anwendung von Kombinationstherapien mit Ezetimib und/oder Inhibitoren für Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9 (PCSK9i) verstärkt wird.

Warum das wichtig ist

  • Jüngste Leitlinien empfehlen eine Senkung des LDL-C auf so niedrige Werte wie möglich, um eine Reduktion des kardiovaskulären Risikos zu erreichen. Die Umsetzung in der klinischen Praxis erfordert jedoch eine Evaluierung.

Studiendesign

  • Eine multizentrische Querschnittsstudie mit Daten von 5.888 Patienten, die zwischen Juni 2017 und November 2018 in 18 europäischen Ländern LLTs als Primärintervention (PP; n = 3.000) und Sekundärintervention (SP; n = 2.888) erhielten.
  • Primäres Ergebnis: Risikobasiertes Erreichen der LDL-C-Zielwerte unter stabilisierten LLTs.
  • Finanzierung: Amgen.

Wesentliche Ergebnisse

  • Insgesamt hatten in der SP-Kohorte 2.794 Patienten atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen (ASKVE):
    • zerebrale vaskuläre Erkrankung: 41 %;
    • periphere Arterienerkrankung: 37 %;
    • koronare Herzkrankheit: 22 % und
    • andere Gefäßerkrankungen: 3 %.
  • Das prognostizierte 10-Jahres-Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse lag bei 82 % bzw. 31 % der Patienten mit ASKVE über 20 % bzw. über 40 %.
  • In der PP-Kohorte waren 67 % der Patienten in der Gruppe mit einem mäßigen kardiovaskulären Risiko, mit 9 %, 18 % bzw. 3 % der Patienten in den Gruppen mit niedrigem, hohem bzw. sehr hohem Risiko.
  • Die am häufigsten verschriebenen LLTs waren Monotherapien mit MIS (52 %) und hochintensivem Statin (28 %), gefolgt von einer Kombinationstherapie mit Ezetimib (9 %), wohingegen eine PCSK9i-Kombination nur bei 1 % der Patienten angewendet wurde.
  • Nur 54 % bzw. 33 % der Patienten erreichten 2016 bzw. 2019 ihre risikobasierten LDL-C-Zielwerte.
  • Bei Patienten mit bestehenden ASKVEs lag die Anwendung von LLTs und die Erreichung der Zielwerte gemäß den risikobasierten Leitlinien 2016 bzw. 2019 bei:
    • Statinmonotherapie niedriger Intensität (2 %): 19 % vs. 13 %;
    • MIS-Monotherapie (44 %): 36 % vs. 16 %;
    • Statinmonotherapie hoher Intensität (38 %): 45 % vs. 22 %;
    • Kombination mit Ezetimib (9 %): 54 % vs. 21 %;
    • Kombination mit PCSK9i (1 %): 67 % vs. 58 % und
    • andere LLTs (6 %): 15 % vs. 8 %.
  • In der PP-Kohorte führte die MIS-Monotherapie zum Erreichen des LDL-C-Zielwertes bei Patienten mit moderatem Risiko (2016 vs. 2019: 81 % vs. 66 %), jedoch zu einer suboptimalen Kontrolle bei Patienten mit hohem Risiko (63 % vs. 29 %) und sehr hohem Risiko (23 % vs. 10 %).
  • Die mittleren stabilisierten LDL-C-Werte bei PP- und SP-Patienten betrugen 2,40 mmol/l bzw. 2,02 mmol/l.
  • Insgesamt erzielte die MIS-Monotherapie mittlere LDL-C-Werte von 2,31 mmol/l und selbst nach der Optimierung mit hochintensiven Statinen sank die mittlere Konzentration nur auf 2,18 mmol/l.

Einschränkungen

  • Querschnittstudie,
  • Baseline-LDL-C-Spiegel wurden nicht gemessen;
  • die Therapiewahl der Ärzte, LDL-C-Werte vor der Behandlung und lokale Verschreibungsbeschränkungen haben die Ergebnisse möglicherweise beeinflusst.