EACS 2019 — Prof. Jürgen Rockstroh: Die Höhepunkte der 17. EACS-Konferenz in Basel


  • Ana ŠARIĆ
  • Conference Reports
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Der aktuelle Präsident der europäischen AIDS-Gesellschaft EACS und Co-Vorsitzender der EACS-Konferenz, Prof. Jürgen Rockstroh, teilte uns die wichtigsten Punkte der 17. EACS-Konferenz mit, die im November 2019 in Basel stattfand:

„Die von UNAIDS vorgegebenen 90-90-90-Ziele für 2020 müssten in nur 8 Wochen erreicht werden – wo stehen wir also? Ich glaube, das ist ein wichtiger Diskussions- und Ausgangspunkt. Offensichtlich sind manche Länder sehr gut auf Kurs: Schweden und das Vereinigte Königreich haben 90-90-90 mehr als erreicht. In London wurde angeblich sogar ein Wert von 95-95-95 erreicht. Ebenso offensichtlich, insbesondere in Osteuropa und Zentralasien, sind aber die weiterhin enormen Herausforderungen, die leider auch zu dem wahrscheinlich höchsten Anstieg von Neuinfektionen weltweit beitragen. In der gesamten europäischen Region der WHO gibt es also große Herausforderungen. Ich glaube, dass wir hier sind, um gute Versorgungsmodelle zu besprechen. Also: Wo funktioniert es, wo werden die Patienten in die Versorgung integriert und eingebunden, wie steht es mit der Einführung von PrEP in Osteuropa? Ist sie erfolgreich und ändert sich dadurch die Epidemiologie? Was können wir daraus lernen, und wie können wir diese Befunde in diese Regionen übertragen und dort umsetzen?

Nun möchte ich im deutschen Kontext als behandelnder Arzt in Deutschland hervorheben, dass wir auch sehr nahe an 90-90-90 sind: Wir haben bei der zweiten und dritten Zahl 90 erreicht und sind nur bei der ersten bei lediglich 87% angelangt. Ich glaube aber auch, dass wir mit der Einführung von Selbsttests und der PrEP, die seit dem 1. September von staatlichen Krankenversicherungen erstattet wird, einen Anstieg der Tests unter Risikogruppen beobachten werden, was dann wahrscheinlich zu einer Veränderung führen wird. Ich bin davon überzeugt, dass wir in der Lage sein werden, noch in diesem Jahr die letzte 90 zu erreichen. Die Zahlen werden wie in jedem Jahr am 1. Dezember vorgestellt.

Ich glaube, das ist wohl einer der wichtigsten Punkte. Nun hat sich analog dazu mit den in Europa und ganz besonders in Österreich und Deutschland verfügbaren Präventionsinstrumenten das Spektrum ganz entscheidend verändert. Es gibt jedoch auch eine umstrittene Diskussion über den Anstieg von Geschlechtskrankheiten bei PrEP-Anwendern. Ich glaube also, dass wir auf eine Art dazu verpflichtet sind, zu beobachten, wie sich die Immunologie gesamthaft verändert, und wir sehen dabei bestimmt auch die Daten der staatlichen französischen Behörde, die auf einen Rückgang von Neuinfektionen nach der Einführung der PrEP in Frankreich verweisen. Nach England ist dies also das zweite Land, in dem wir Erfolgsraten vermelden können, die über die vorgestellte Analyse aus Nordamerika hinausgehen. Ich denke also, dass wir ganz sicher aktualisierte Daten zur Entwicklung von PrEP und sexuell übertragbaren Infektionen bekommen, und natürlich erhalten wir wie bei jeder EACS-Konferenz eine neue Reihe von Richtlinien, wobei wir mittlerweile bei Version 10.1 angelangt sind. Wir werden eine Erweiterung der Behandlungsschemen mit Priorität für die Erstlinientherapie verzeichnen, und Sie werden eine sehr gute Aktualisierung zum Management von Komorbiditäten erhalten, die für die Behandlung einer alternden Bevölkerung wichtig ist – die Hälfte unserer deutschen Patienten ist über 50 Jahre alt. Wir werden ein sehr gutes Instrument erhalten, um die Überwachung von HKL-Erkrankungen, Nierenkrankheiten und anderen Problemen in unserem Land zu erleichtern.

Und dann werden wir uns mit Problemen befassen, die weiterhin Gegenstand von Diskussionen sind – beispielsweise die Gewichtszunahme unter antiretroviralen Medikamenten, da haben wir eine ganze Parallelveranstaltung zum Thema Gewichtszunahme, neue Daten zur Pathogenese und warum diese Medikamente zu einer Gewichtszunahme führen können. Etwas weniger Daten gibt es zu neuen Arten der Wirkstoffabgabe mit langen Halbwertszeiten, Implantaten und Spritzen ...

Doch einer der Schwerpunktbereiche besteht wohl wirklich in der Verbesserung des Versorgungsstandards in Europa und der Beteiligung von Osteuropa und Zentralasien. Wir haben am Samstag eine große Veranstaltung zum Versorgungsstandard, in der das Ergebnis einer ersten Pilotuntersuchung zu Koinfektionen in verschiedenen Ländern vorgestellt wird, an der deutsche Studienzentren beteiligt waren.

Wir werden eine Auswertung des Programms zur Initiative „Fast-track Cities“ vornehmen.

Es ist eine spannende Konferenz und wird hoffentlich zu einem besseren Patientenmanagement in ganz Europa führen!“